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Studie zur Darstellung geschlechtsspezifischer Gewalt im TV: „Wenn wir Gewalt gegen Frauen verzerrt darstellen, sind wir Teil des Problems“

22.11.2021

Am 25. November ist „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“. Auch in Deutschland besteht akuter Handlungsbedarf: Jede dritte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierter Gewalt erlebt. Eine wichtige, bisher jedoch unterbeleuchtete Rolle kommt dabei der Frage zu, wie Medien geschlechterbasierte Gewalt aufgreifen und darstellen.

Vor diesem Hintergrund haben die MaLisa Stiftung und die UFA GmbH die Studie „Geschlechtsspezifische Gewalt im deutschen Fernsehen. Eine Medieninhaltsanalyse“ initiiert und gefördert, die heute veröffentlicht wurde. Sie liefert erstmals einen Überblick über die Darstellung geschlechtsspezifischer Gewalt im deutschen TV. Die Studie wurde von Prof. Dr. Christine Linke und Ruth Kasdorf M.A. durchgeführt und ist ein Kooperationsprojekt der Hochschule Wismar und der Universität Rostock. Analysiert wurde eine repräsentative Stichprobe der Programme von acht TV-Sendern (Das Erste, ZDF, RTL, RTL2, Vox, ProSieben, SAT.1 und Kabel Eins), die 2020 zwischen 18 und 22 Uhr ausgestrahlt wurden.

Zentrale Ergebnisse:

  • Geschlechtsspezifische Gewalt kommt in rund einem Drittel (34 %) der Sendungen vor. Häufig handelt es sich dabei um explizite und schwere Gewalt gegen Frauen und Kinder.
  • Sie wird in unterschiedlichen Programmsparten und Genres dargestellt, am häufigsten jedoch in fiktionalen Programmen (66 %). Innerhalb dieser kommt sie meist in Krimi-Serien (26 %) und Spielfilmen (13 %) vor.
  • Die Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt kommen nur in 8 Prozent der Darstellungen ausführlich selbst zu Wort.
  • Bei der Darstellung geschlechtsspezifischer Gewalt im deutschen TV fehlen häufig
  • Vorabwarnungen über den Inhalt
  • Hinweise auf Hilfsangebote für Betroffene
  • die Beschreibung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
  • eine stärkere Einbeziehung der Betroffenen-Perspektive

Dazu die Studienleiterin Prof. Dr. Christine Linke: „Geschlechtsspezifische Gewalt ist vielfach im deutschen Fernsehen sichtbar, die Perspektive von Betroffenen steht aber nur selten im Zentrum. Besonders ernüchternd ist, dass Möglichkeiten der Prävention und Hilfsangebote kaum vermittelt werden. Die Studie zeigt klar: Es besteht Handlungsbedarf. Über geschlechtsspezifische Gewalt im deutschen Fernsehen müssen wir diskutieren.“

Maria Furtwängler, Co-Gründerin der MaLisa Stiftung: „Medien prägen unsere Wahrnehmung der Realität. Wir als Medienschaffende haben dadurch eine besondere Verantwortung, gerade bei einem gesellschaftlich so dringlichen Thema wie Gewalt gegen Frauen. Wenn wir diese verzerrt darstellen, werden wir eher ein Teil des Problems, dabei können und sollten wir Teil der Lösung sein. Die Ergebnisse der Studie geben uns viele Impulse für unser zukünftiges Handeln. Ich danke unseren Partner*innen, den Initiator*innen von #sicherheim, der UFA und Natalia Wörner, sowie Anika Decker und Soroptimist International Deutschland für ihre wichtige Unterstützung für diese Initiative.”

Joachim Kosack, Geschäftsführer UFA GmbH: „Als Produktionsfirma rütteln uns die Ergebnisse der Studie ‚Geschlechtsspezifische Gewalt im deutschen Fernsehen‘ auf. Gerade weil die erzählerische Form des Krimis auch bei uns einen großen Raum einnimmt. Aber nicht nur beim Krimi achten wir zu wenig auf das Thema. Bei der Entwicklung unserer Stoffe reflektieren wir viel zu wenig, dass immer wieder stereotypisierte Erzählmuster wiederholt werden bzw. nicht in einen Kontext gesetzt werden, der diese Muster dramaturgisch einordnet. Wir werden uns in Workshops intern damit verstärkt auseinandersetzen, um unserer Verantwortung als Medienschaffende gerecht zu werden. Darum danke an die MaLisa Stiftung und alle, die diese Studie initiiert, unterstützt und durchgeführt haben.“

Ein Artikel zu den Ergebnissen der Studie ist auf der Website der MaLisa Stiftung abrufbar. Die Ergebnisse der Hochschule Wismar stehen hier zum Download bereit.

Am 11. Januar 2022 wird an der Hochschule Wismar eine Veranstaltung mit Präsentation und Gesprächsrunde zur Studie stattfinden. Weitere Infos dazu werden in Kürze hier abrufbar sein.

 

Ansprechpartner*innen:

Hochschule Wismar: Prof. Dr. Christine Linke, christine.linke@hs-wismar.de

MaLisa Stiftung: Rana Göroğlu, 089 – 414 240 987, presse@malisastiftung.org

UFA GmbH: Maja Genowa, 0151 – 277 705 73, maja.genowa@ufa.de

 

Die Pressemitteilung als pdf zum Download:

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