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Ein Jahr Online-Casting

16.04.2021

Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor neue Herausforderungen. So mussten auch unsere beliebten Castings von heute auf morgen komplett umgestellt werden. Die Redaktionen der UFA haben frühzeitig an Alternativen zu den persönlichen Castings gearbeitet, um die Gesundheit der Bewerber:innen und Mitarbeitenden sicherzustellen. Um die laufenden Bewerbungsprozesse fortführen zu können, setzte unser Castingteam sehr schnell intern bereits vorbereitete und getestete Online-Casting-Tools ein und stellte so innerhalb kürzester Zeit den gesamten Prozess auf Online-Casting um. Das onlinebasierte Casting wird inzwischen von allen Produktionen der UFA aktiv genutzt, um geeignete Bewerber:innen und Kandidat:innen zu akquirieren. Wie läuft der Castingprozess nach einem Jahr Corona-Pandemie? Kann das Online-Casting den persönlichen Bewerbungsprozess ersetzen und welche Erfahrungen haben unsere Caster:innen gemacht? Wir haben mit ihnen dazu gesprochen.

Selua Christen, Tobias Hött und Nina Haun
Selua Christen, Tobias Hött und Nina Haun

Von TAKE ME OUT über SUNNY – WER BIST DU WIRKLICH?, DER GROSSE FAKE – DIE WIRECARD STORY, DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR, GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN, DAS SUPERTALENT, SPOTLIGHT, DER KÖNIG VON PALMA, EVEN CLOSER – HAUTNAH und verschiedenen Development-Formaten – mittlerweile hat sich das Online-Casting in allen Produktionen etabliert.

Tobias Hött, Head of Casting bei UFA Show & Factual, resümiert nach einem Jahr: „Bei UFA Show & Factual haben wir das Online-Casting als erste innerhalb kürzester Zeit flächendeckend eingesetzt und arbeiten jetzt seit über einem Jahr mit dem Tool. Insgesamt haben wir seitdem viele tausende Bewerber:innen online gecastet. 50 Kolleg:innen in acht Formaten nutzen diese Casting-Möglichkeit bei uns aktuell.“ Auch UFA-weit zeigt sich, dass die Bewerber:innen und Schauspieler:innen das onlinebasierte Angebot sehr gut annehmen. „Die generellen Bewerberzahlen sind durch die Umstellung auf Online-Casting konstant geblieben. Saisonale Schwankungen sind auch bei Castings je nach anstehenden Projekten normal, aber wir haben ganz deutlich gemerkt, dass das onlinebasierte Casting über alle Projekte hinweg gut angenommen wird“, berichtet Selua Christen, Head of UFA Talentbase. Positives Feedback gibt es auch aus dem fiktionalen Bereich: „Wir haben durch das virtuelle Castingstudio von Castforward sehr schnell eine wirklich gute Möglichkeit gefunden, den Ausfall der Studiocastings zu kompensieren. Wir waren positiv überrascht, wieviel man aus diesen virtuellen Begegnungen ablesen konnte und sind extrem dankbar, dass wir trotz der Pandemie unsere Besetzungen machen können.“, erzählt Nina Haun, Head of Casting UFA GmbH.

Um sicherzustellen, dass das Casting-Tool dem Zeitgeist und Ansprüchen der Bewerber:innen, Schauspieler:innen und Caster:innen entspricht, wird die Benutzerfreundlichkeit im laufenden Prozess stets weiterentwickelt. So wurden nach wenigen Wochen bereits Gruppencastings im Show Bereich und Konstellationscastings fiktionalen Bereich eingeführt, bei denen mehrere Bewerber:innen an verschiedenen Orten mit einem/einer Caster:in zusammenkommen können. „Dank des virtuellen Castingstudios konnten wir sogar wichtige ‚Chemien‘ testen und enge Figurenkonstellationen wie z.B. Paare ausprobieren und besetzen. Selbst unser alljährliches UFA Nachwuchscasting haben wir online stattfinden lassen und freuen uns sehr darüber, dass wir auf diesem Wege auch die Schauspielabsolvent:innen von 2020 in unserer Datenbank und hoffentlich auch bald in einer unserer Produktionen haben“, so Nina Haun weiter.

Casting-Redakteur:innen beurteilen das Online-Casting positiv

Unsere Casting-Redakteur:innen beurteilen das Online-Casting durchweg sehr positiv. „Die Bewerber:innen fühlen sich wohler zu Hause und sind meistens nicht so nervös und kommen mehr aus sich heraus. Außerdem bekommt man bei vielen Castings direkt einen Eindruck, wie der Bewerber lebt und kann gegebenenfalls Fragen dazu stellen“, so Marius Braun aus der Castingredaktion von TAKE ME OUT. „Das Online-Casting erleichtert auch den Weg in unsere Formate für viele Bewerber:innen, vor allem, wenn keine Möglichkeit der Anreise besteht“, betont Tobias Hött.

Durch die digitalen Einzeltermine hat 2021 jede:r zweite Bewerber:in, der oder die zuvor einen Castingtermin gebucht hat, diesen auch wahrgenommen, was unter anderem auch auf den stärkeren Austausch sowie dem schnelleren Vertrauensaufbau zwischen den Caster:innen und den Bewerber:innen zurückzuführen ist. David Müller ist Casting-Redakteur bei DAS SUPERTALENT und betont, dass die Online-Castings wesentlich kandidatenorientierter und zeitgemäßer sind. Zuhause fühlten sich die Kandidat:innen wohl und seien deshalb weniger angespannt als bei einem On-Location-Casting. Das wirke sich dementsprechend positiv auf die inhaltliche Qualität und das Format aus, so David weiter.

Online-Casting: So einfach wie Telefonieren

Die amüsanten Vorfälle, die viele aus eigenen Videokonferenzen kennen, dürfen bei einem Online-Casting natürlich auch nicht fehlen. Unsere Caster:innen berichten von skurrilen und lustigen Situationen. Beispielweise gibt es immer wieder Haustiere, die auch gerne beim Casting dabei sein wollen und es sich auf der Tastatur bequem machen. Einige Bewerber:innen fühlten sich beim Casting sichtlich wohl und lagen während des Castings in ihrem Garten im Plantschbecken oder versuchten, als Beifahrer während einer Autofahrt von sich zu überzeugen. Die Caster:innen freuen sich über jede Bewerbung: „Egal wie: Probiert es aus! Es ist genau so einfach wie Telefonieren!“, animiert Tobias Hött.

Neben den vielen Vorteilen bringt das Online-Casting allerdings auch Einschränkungen mit sich, die jeder, der bereits in digitalen Konferenzen teilgenommen hat, gut kennt. „Der persönliche Kontakt bei einem Casting ist aufschlussreicher als der digitale Kontakt. Das Online-Casting kann das On-Location Casting nicht ersetzen“, betont Ingrid Cuenca, Casting Director bei UFA Fiction. Die Ausstrahlung und Bühnenpräsenz der Bewerber:innen könne dabei genauso wenig von der Bildschirmkamera eingefangen werden wie Sarkasmus und Humor, ergänzt Stephan Dorsch, Redaktionsleiter bei ROLLING – DAS QUIZ MIT DER MÜNZE. „Manchmal geben sich die Kandidat:innen online auch etwas weniger Mühe beim Outfit, Styling oder der Performance“, pflichtet Robin Schwellenberger, Redakteur bei DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR, bei. „Dazu kann online kein 100%-iges Gefühl für die Ausstrahlung, die Präsenz und das Nervenkostüm eines Kandidaten oder einer Kandidatin gewonnen werden“, erklärt Robin weiter.

Wie lange die Pandemie noch andauert, ist ungewiss. Allerdings zeigt sich, dass das Online-Casting nach der Pandemie zusätzlich zum On-Location-Casting bestehen bleiben wird: Online-Casting ist wie Mobile Office ein Teil unseres Alltags geworden und wird es auch immer bleiben. Es ist eine sinnvolle Ergänzung, ist sich Tobias Hött, Head of Casting bei UFA Show & Factual sicher.