Interview mit Thorsten Näter

ufa.de: Herr Näter, Sie sind ein vielseitiger Regisseur und in allen Genres zu Hause. Was reizt Sie besonders am Krimi, was macht Ihrer Meinung die Faszination für den Zuschauer aus?

Thorsten Näter:
In jedem Film muss man zuerst das Interesse des Zuschauers für die Geschichte und die Figuren wecken, bevor man ihn mit auf die Reise nimmt. Der Krimi bietet da die einfachste Form: Es gibt eine Tat und der Zuschauer möchte, dass diese Tat aufgeklärt und gesühnt wird. Das heißt, er ist vom ersten Moment bei mir und den Hauptfiguren und ich habe sehr viel mehr Zeit, mich mit den Figuren zu beschäftigen. Dieses dramaturgische Konstrukt vor allem ist stabil und bindet den Zuschauer so, dass man sich viel mehr und längere Ausflüge in die Untiefen der Figuren erlauben kann, ohne dass man den Zuschauer verliert. Außerdem ist bei einem Krimi immer vom ersten Moment klar: Hier geht’s ans Eingemachte. Da werden Dinge verhandelt, die für die Betroffenen existenziell wichtig sind.

ufa.de: Nach "Mit aller Macht" im Jahr 2007 ist dies bereits ihre zweite Zusammenarbeit mit dem 'starken Team'. Wie verliefen die Dreharbeiten, was schätzen Sie an den Darstellern Florian Martens und Maja Maranow, die das 'Team' zu einer unverwechselbaren Programm-Marke im ZDF gemacht haben?

Thorsten Näter: Es ist unglaublich, wie begierig Maja und Florian – und das gilt ebenso für Arnfried
Lerche – die Spielmöglichkeiten ausnutzen, die man Ihnen bietet und sich mit einer Riesenenergie ins Zeug legen, um noch das Letzte aus Ihren Figuren herauszuholen. Bei einer Reihe, die schon so lange läuft, finde ich das schlichtweg sensationell. Für einen Regisseur ist das ein Traum!

ufa.de: Im aktuellen Fall "Tödliches Schweigen" geht es um mehr als Mord, es geht auch um Täuschung und Enttäuschung. Was liegt Ihnen bei diesem Thema am Herzen - sie zeichnen ja auch für das Drehbuch verantwortlich?

Thorsten Näter: Für mich ist der Kontrast zwischen der Oberfläche, die die Menschen der Welt anbieten, und dem, was sie tatsächlich sind, von jeher das zentrale Thema. Vor allem in einem Krimi werden die Figuren ja in Frage gestellt. Die Kommissare tragen Schicht für Schicht, Lüge für Lüge ab, als würden sie eine Zwiebel schälen, um am Ende auf die Wahrheit zu stoßen.Für Schauspieler ergibt sich daraus natürlich eine schöne Aufgabe, weil sie eben jede der unterschiedlichen Schichten darstellen können.

ufa.de: Erleben Sie die 'Doppelbesetzung' als Autor und Regisseur durchweg positiv oder gibt es auch andere Erfahrungen? Was bringt es mit sich, sein eigenes Buch zu verfilmen?

Thorsten Näter: Der Vorteil des eigenen Buches ist einfach, nämlich dass ich schon sehr frühzeitig über Dinge wie Drehorte oder Besetzung nachdenken kann. Sehr oft schreibe ich bereits im Hinblick auf eine bestimmte Besetzung oder bestimmte existierende Orte. Einen Nachteil habe ich darin nie gesehen. Allerdings ist es auch sehr schön, wenn man Bücher von anderen Autoren bekommt, die eine ganz andere Sicht auf die Welt haben, an der man sich abarbeiten kann.

ufa.de: Sie haben die private Geschichte der Kommissarin Verena Berthold in dieser Folge auffallend in den Vordergrund gerückt. Wie haben Sie die intensive Arbeit an der Figur erlebt?

Thorsten Näter: Bei allen Reihen und Serien ist ja die größte Gefahr, dass die Autoren und Regisseure sich mehr für die Leute interessieren, die neu dazu kommen, also für die Episodenhauptrollen, als für die durchgehende Besetzung. Gerade im Krimi ist das Risiko, dass dem Kommissar am Ende nicht mehr über die Lippen kommt als: "Wo waren Sie von 8 bis 10 Uhr?", sehr groß. Daher gilt es immer einen neuen Weg zu finden, wie man die eigentlichen Hauptfiguren am Leben erhält, ihnen kontinuierlich neue Geschichten gibt. Das sorgt einerseits dafür, dass die Hauptdarsteller mit großer Freude dabei sind, andererseits erfreut es auch die Zuschauer. Denn in der Regel sehen sich die Stammzuschauer einer Reihe die Filme an, weil sie die Hauptfiguren mögen und sehen wollen, was mit ihnen passiert. Wenn man zudem noch Hauptdarsteller hat, die begierig darauf sind, dass sie etwas zu spielen kriegen, hat man jede Menge Situationen, wo eben nicht nur Täter und Opfer aufgewühlt sind, sondern auch die Kommissare. Das schafft Situationen, in denen jederzeit alles möglich ist, und das ist ja das, was man gemeinhin unter "Spannung" versteht.

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