Interview mit Stella Kunkat

ufa.de: Stella, du hast nun schon bei einigen Filmen mitgespielt – aber die Dreharbeiten zu Dschungelkind waren für dich sicher dennoch etwas ganz besonderes?

Stella Kunkat: Also, es war schon eine tolle Erfahrung. Ich habe ganz neue Eindrücke gesammelt, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war natürlich eine lange Zeit, und da hatte ich schon manchmal Heimweh. Am Ende war es aber so, dass ich fast gar nicht wieder weg wollte.

ufa.de: Welche Eindrücke waren besonders intensiv?

Stella Kunkat: Ich hatte mir den Dschungel viel farbenprächtiger vorgestellt, er war aber in Wirklichkeit fast nur grün und braun. Und ich hatte auch nicht mit den ganzen vielen lauten Geräuschen gerechnet – manche Insekten haben solchen Lärm gemacht, dass ich dachte, das müssten bestimmt ganz große Tiere sein oder technische Geräte.

ufa.de: Fühlt man sich denn auch mal allein, wenn man so lange so weit weg von Zuhause ist?

Stella Kunkat: Ganz besonders habe ich meine Geschwister vermisst. Meine Eltern waren ja beide da: in den ersten fünf Wochen meine Mutter, dann meine Tante für zwei Wochen, dann eine Freundin von uns, und die letzten zwei Wochen mein Vater. Ich habe schöne Freundschaften geknüpft mit den Fayu-Darstellern. Besonders viel Spaß hatte ich mit Tom und Milena, die im Film meine Geschwister spielen.

ufa.de: Welche Szenen haben besonders viel Spaß gemacht?

Stella Kunkat: Wenn wir baden gehen durften. Der Fluss war warm, bestimmt 30 °C, am Ufer flach und die Strömung sehr stark. Ich fand es aber auch toll, wenn man etwas Besonderes zu spielen hatte: auf Baumstämmen zu klettern oder an Lianen zu schwingen, meine Katze in einer Tasche mit zu schmuggeln oder im Helikopter über den Dschungel zu fliegen. Außerdem fand ich die großen Familienszenen immer spannend.

ufa.de: Wie hast du dich vorbereitet?

Stella Kunkat: Wir hatten einen Kindercoach, Gudrun Barmann, die ich schon von früheren Filmen kannte. Mit ihr sind wir immer am Vorabend die Szenen durchgegangen und haben die Texte gelernt. Und direkt vor der Szene beim Dreh haben wir die Dialoge noch einmal mit Roland besprochen. Nur die Szenen, in denen ich Fayu sprechen musste, habe ich einige Tage vorher begonnen zu lernen.

ufa.de: Wie hast du Roland Suso Richters Stil als Regisseur erlebt?

Stella Kunkat: Roland ist anders als die Regisseure, die ich bislang kannte. Die anderen Regisseure haben am Set immer präzise Anweisungen gegeben, aber Roland sagte manchmal nur: „Na, dann spielt mal los!“ Und dann haben wir einfach gesehen, was dabei herauskommt. Das war für mich am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber es hat sich schließlich toll entwickelt.

ufa.de: War das Drehen nicht manchmal auch stressig?

Stella Kunkat: An manchen Tagen lief es schon mal ein bisschen ungeplant und ungeordnet ab. Wenn die Tiere nicht so recht wollten oder das Wetter nicht mitspielte. Dann zogen sich die Szenen sehr lange hin und wir waren bis spät am Set. Dennoch musste ich anschließend oft noch für die Schule lernen. Abends bin ich dann todmüde ins Bett gefallen.

ufa.de: Siehst du Gemeinsamkeiten zwischen dir und Sabine, deiner Filmfigur?

Stella Kunkat: Ich habe Sabine Kuegler persönlich kennen gelernt. Sie hat viel von sich erzählt, denn ich musste sie ja so gut wie möglich kennen, um sie zu spielen. Sie hat uns auch Tipps gegeben, wie man sich im Dschungel verhält. Aber richtige Gemeinsamkeiten? Sicher bin ich wie Sabine der Natur sehr zugewandt; ich habe auch Haustiere, zwei Katzen und zwei Kaninchen. Ich bewege mich gerne und bin eigentlich eher unängstlich. Dadurch, dass wir so lange Zeit täglich im Dschungel waren und die Fayu kennen gelernt haben, haben wir Schauspieler sicher ein bisschen von dem durchleben können, was sie erlebt hat. Das hat es mir erleichtert, mich in die Rolle hineinzuversetzen.

ufa.de: Du hattest am Set ja auch mit vielen Tieren wie Spinnen und Insekten zu tun - wie bist du damit zu Recht gekommen?

Stella Kunkat: Die große Spinne Bo war ja ganz harmlos, ich habe sie mir sogar auf den Kopf gesetzt. Ich muss dazu noch sagen, dass ich vorher tierisch Angst vor Spinnen hatte, aber vor kleinen Spinnen. Bo kann man besser handhaben. Und ich fand auch die großen Tausendfüßler süß. Das war so toll: Wenn man die auf der Hand hatte, war das wie eine Massage - unglaublich, wie von tausend kleinen Nadeln. Aber am besten waren eigentlich die Schlangen – ihre Haut und Muskeln zu spüren ist ein Erlebnis.

ufa.de: Könntest du dir vorstellen, so ein Leben wie Sabine als Kind damals zu führen?

Stella Kunkat: Ich bin ja jetzt schon 12 – in diesem Alter in den Dschungel zu ziehen, wäre schwer. Aber wenn ich so jung wäre wie Sabine damals und dann in den Dschungel käme, ich glaube, ich hätte mich so entwickelt wie sie: mit ihrer Liebe und Zuneigung zu der Natur, den Menschen und den Tieren dort. Der viel größere Horror wäre es bestimmt, dann wieder in die Zivilisation zurückzukommen. Man muss sich allerdings gut mit sich und seiner Familie beschäftigen können. Abwechslung, so wie in meinem Leben in Berlin, gibt es dort ja nicht.


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