Interview mit Sabine Kuegler

ufa.de: Sie waren am Set in Malaysia. Wie war es für Sie, in den Dschungel zurück zukehren?

Sabine Kuegler: Es war genauso aufregend, wie ich mir erhoffte, da ich mich bei den Dreharbeiten im Urwald sofort geborgen fühlte und nur so vor neuer Energie strotzte. Durch die herausragende Arbeit der Ausstatter und Bühnenbildner habe ich mich sehr schnell in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt. Und je länger ich im Dschungel war, desto „wilder“ wurde ich. Zurück in Deutschland überwog die Freude, meine Kinder wieder in die Arme schließen zu können, aber eine Art Heimweh spürte ich noch lange nach meiner Ankunft in München.

ufa.de: Welchen Eindruck haben die Dreharbeiten auf Sie gemacht?
Sabine Kuegler: Die gesamte Filmcrew hat unter wirklich harten bzw. schweißtreibenden Arbeitsbedingungen einen tollen Job gemacht. Über Wochen wurde ein ganzes Dschungeldorf im malaysischen Nationalpark Taman Negara detailgetreu nachgebaut, wie beispielsweise unsere Hütte, in der wir damals lebten, sodass ich mich umgehend heimisch fühlte. Zudem wurden über 80 Laiendarsteller aus Papua-Neuguinea eingeflogen. Die Professionalität als auch die Leidenschaft aller beteiligten Akteure war umwerfend.

ufa.de: Wie sind ihre Erinnerungen in die Dreharbeiten eingeflossen?
Sabine Kuegler: Es sind so viele kleine Details in meinem Kopf. Zum Beispiel wie genau die Fayu damals getanzt haben. Oder wenn sie sich mit uns unterhalten haben, dann standen sie immer ganz nah an uns dran. Das sind solche an sich vielleicht unbedeutende Kleinigkeiten, die aber zum Ganzen dazugehören und die ich extrem interessant finde. Ich kann nach wie vor sehr schnell sagen, ob etwas hinkommt oder nicht.

Was haben Sie gefühlt als Sie Ihr Leben zum ersten Mal auf der Leinwand sahen?
Sabine Kuegler: An dem Kinofilm Dschungelkind wurde über zwei Jahre gearbeitet. Mir war gar nicht richtig bewusst, was da alles um mich herum geschah. Als ich die Geschichte meiner Familie und mich das erste Mal auf der Leinwand sah, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Gerade zu Anfang als auch am Ende des Films war ich sehr stark emotional berührt. Je nach Szene verstärkten sich meine Erinnerungen und meine Gefühle. Ich war und bin auch jetzt noch überwältigt.

Wie authentisch ist Ihrem Empfinden nach, bei allen Änderungen, der Film? Sie können also gut damit leben, dass der Film nicht hundert Prozent identisch ist mit dem Buch?
Sabine Kuegler: Mir war sehr bewusst, dass es kein Dokumentarfilm ist und dass aus dramaturgischen Gründen einfach einiges verändert werden muss. Man muss lernen loszulassen. Denn ich hätte als Regisseurin dasselbe gemacht. Natürlich war ich als Beraterin gefragt, und so konnte ich Einfluss darauf nehmen, dass Fiktion und Realität im Kinofilm Dschungelkind nicht allzu weit auseinander liegen.

Haben Sina Tkotsch und Stella Kunkat, die Sie im Film in verschiedenen Lebensaltern darstellen, Ihnen viele Fragen danach gestellt, wie es damals tatsächlich war?
Sabine Kuegler: Nicht nur die verblüffende Ähnlichkeit von und Sina und Stella mit mir, auch durch die Offenheit und Neugierde der beiden habe ich mich in ihnen wieder erkannt. Beide wirken so natürlich, dass es mir eine Freude ist, sie auf der Leinwand zu sehen.

Verbinden Sie mit dem Film noch eine weitergehende Botschaft?
Sabine Kuegler: Durch meine Bücher und nun durch den Film Dschungelkind kann ich wohl einen kleinen Beitrag leisten, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, gerade hier im deutschsprachigen Raum, auf die Schönheit aber auch auf die Gefährdung des Urwalds aufmerksam zu machen. Insbesondere ein Bewusstsein für die Kultur von indigenen Völkern, in meinem Fall, die der Fayu, zu schaffen, erfüllt mich durchaus mit ein wenig Stolz. Wenn ich darüber hinaus Menschen dazu motivieren kann, sich für die Erhaltung der Regenwälder und/oder für die Wahrung der Kultur bedrohter Völker einzusetzen, würde ich mich sehr freuen.

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  • Dschungelkind
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