Interview mit Robert Atzorn

"Der Fall Jakob von Metzler" ist einer der bekanntesten und umstrittensten deutschen Gerichtsentscheidungen gewidmet. Was hat Sie dazu bewogen, die Person des Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner zu verkörpern?

Die Entführung des Jakob von Metzler hat damals alle Menschen, so auch mich, sehr aufgewühlt; insbesondere hat mich beeindruckt, wie gefasst und mit welcher Würde sich die Familie verhalten hat. Deshalb war es keine Frage für mich, Wolfgang Daschner zu spielen – ich hätte jede noch so kleine Rolle angenommen, einfach um bei diesem Projekt dabei zu sein.
Ich glaube durch den Film wird das Dilemma, in dem Wolfgang Daschner steckte, noch einmal ganz deutlich: es ging ihm ausschließlich
um das Leben des Kindes. Als klar wurde, dass sämtliche Verhörmethoden nicht zu dem Ergebnis geführt hatten, das Versteck von
Jakob auszumachen, sah Daschner keine andere Möglichkeit mehr, als "unmittelbaren Zwang" im letzten Moment anzudrohen.
Er hatte der Familie Metzler versprochen, alles in seiner Macht stehende zu versuchen, um Jakob zu retten. Er stand unter einem immensen zeitlichen Druck: Gäfgen hatte die Polizei tagelang belogen und an der Nase herumgeführt; hatte sich überhaupt nicht um das Kind gekümmert, so dass es nach vier Tagen aus ärztlicher Sicht kaum noch Überlebenschancen hatte. Keiner konnte wissen, dass das Kind bereits ermordet worden war.


Wie haben Sie den so genannten "Daschner-Prozess" damals selbst wahrgenommen?

Den Prozess habe ich nur am Rande wahrgenommen, ich war zur damaligen Zeit zu Dreharbeiten im Ausland. Ich verstehe den grundsätzlichen Konflikt der Richter: Achtung der Menschenwürde, Folterverbot insbesondere wegen der deutschen Nazi-Vergangenheit, aber manchmal sollte der so genannte gesunde Menschenverstand vorrangig sein; ich finde die Verurteilung Daschners falsch, ich persönlich hätte wahrscheinlich genauso gehandelt.


Wie haben Sie die Dreharbeiten mit dem mehrfach ausgezeichneten und für seine Fernsehkrimis bekannten Regisseur Stephan Wagner erlebt?

Mit Stephan Wagner hab ich mich sofort hervorragend verstanden; wir haben, glaube ich, gemeinsam einen guten Weg für die Darstellung Daschners gefunden. Unsere Sicht auf diese Figur war identisch, so dass es überhaupt keine Diskrepanzen gab.


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