Interview mit Maria Furtwängler

Schicksalsjahre Maria Furtwängler teamWorx

Schicksalsjahre ist ein großer fiktionaler Event-Zweiteiler mit Maria Furtwängler als Frau und Mutter in der Stunde Null. Vom Zweiten Weltkrieg um die Liebe ihres Lebens gebracht, bringt Ursula Heye mit Standhaftigkeit, Einsatz und unter vielen Entbehrungen ihre Familie durch Zeiten des Umbruchs. In einem Deutschland der wechselnden politischen Systeme bewahrt sie dabei stets eine aufrechte Haltung. Viele Jahre nach Kriegsende begegnet sie ihrem totgeglaubten Ehemann wieder. Die bewegende Lebensgeschichte einer Unangepassten, frei nach den Erinnerungen "Vom Glück nur ein Schatten" von Uwe-Karsten Heye.

Am 13. und 14 Februar um 20:15 im ZDF

 

ufa.de: Welche Rolle spielt es für Sie, dass Ursula Heye eine reale Figur ist?

Maria Furtwängler: Eine reale Figur wie Ursula Heye zu spielen, hat für mich einen großen Unterschied gemacht. Das Buch"Vom Glück nur ein Schatten" von Uwe-Karsten Heye über das Schicksal seiner Mutter hat mich Ursula Heye sehr nahe gebracht und war schon eine erste intensive Annäherung. Während des Drehs hat Heye mir dann das Bildnisbändchen seiner Mutter gegeben, welches Fotografien und kleine Gedichte enthielt, die sie während des letzten Fronturlaubs ihres Mannes gemacht hatte. Wann immer ich erschöpft von den Dreharbeiten war und einen Widerwillen spürte mich in die nächste schmerzhafte emotionale Situation zu begeben, habe ich in dieses Bändchen hineingesehen und aus den Bildern voll Glück und Liebe für ihren Mann neue Kraft geschöpft. Das war eine neue und spannende Erfahrung.
Sehr berührt haben mich auch zwei Äußerungen Ursulas, die sie ihrem Sohn in einem Brief geschrieben hatte. Über die wenige Zeit die sie mit ihrem Mann hatte, sagt sie: "Diese vier Jahre wiegen ein Leben auf". Und trotz all der Entbehrungen die sie erlebt hatte, war sie nicht bitter geworden, sondern hat ihrem Sohn geschrieben: "Ich bin dankbar für dieses Leben und für all die glücklichen Momente, die ich erleben durfte, insbesondere für meine wunderbaren Kinder."

ufa.de: Wie ist Ihr Verhältnis zu der Figur, die sie spielen? Was haben sie mit ihr gemeinsam und was unterscheidet sie?

Maria Furtwängler: Mit Ursula verbindet mich sicherlich die bedingungslose Liebe zu den Kindern. Da ist sie mir sehr nahe. Sie hat ihr Leben lang immer versucht, ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen, was damals sicher eine unendlich viel größere Anstrengung bedeutete als heute. Und ich beneide Ursula Heye um ihre Musikalität und ihr Klavierspiel. Ich musste ganz schön üben, um im Film selbst die Klavierstücke zu spielen, was mir aber auch viel Freude bereitet hat. In der Naivität, wie sie ihre Liebe gelebt hat, gehöre ich einer anderen Generation an: einer Generation Frauen, die ihr Anrecht, egoistisch sein zu dürfen, sich selbst zu verwirklichen, leben darf. Ursula hat ihre eigenen Talente (sie wäre gerne Sängerin oder Pianistin geworden) ganz selbstverständlich aufgegeben, als sie ihren Mann kennengelernt hat. Aber ich bewundere ihre Fähigkeit, so hingebungsvoll zu lieben.

ufa.de: Der Film erzählt die Geschichte einer starken Frau und zeigt ihren bedingungslosen Einsatz für das persönliche Glück in schwersten Zeiten und den aufopfernden Kampf um ihre Kinder. Was kann man von Ursula Heye lernen?

Maria Furtwängler: Den Mut zu haben, sich aufzulehnen. Tatsächlich wurde Ursula Heye zu einer Zivilcouragierten, so war sie nicht geboren. Zu Beginn schaut sie noch weg, als die ersten verbrecherischen Züge des Nationalsozialismus sichtbar werden, aus Angst, ihre eigene Familie zu gefährden. Als die Nazis sie zwingen, sich von ihrem fahnenflüchtigen Mann scheiden zu lassen, lässt sie sich noch einschüchtern - sie hat sich das zeitlebens vorgeworfen! Als man sie dann in der neu gegründeten DDR abermals zwingen wollte sich anzupassen, hat sie die riskante Flucht vorgezogen. Sie zeigt , dass es sich lohnt, Zivilcourage vorzuleben und den Keim in die nächste Generation zu pflanzen. Ihr gelang es ihre Kinder politisch zu erziehen.

ufa.de: Die Biografie von Ursula Heye steht stellvertretend für viele Frauenschicksale ihrer Zeit. Wie ist die Rolle der Frauen im Nachkriegsdeutschland zu werten? Wie hat sich diese Erfahrung auf die Frau von heute ausgewirkt?

Maria Furtwängler: Ursula Heye ordnete sich selbstverständlich und ganz typisch für ihre Generation zu Beginn ganz ihrem Mann unter. Sie lebte für die Karriere ihres Mannes, arbeitete nur noch für ihn und sein großartiges Talent. Spannend ist die Entwicklung, die sie durchlebte. Am Ende war Ursula Heye eine emanzipierte Frau, im besten Sinne. Und eine politische Frau. Zu ihrer Haltung im Nationalsozialismus hat sie ihren Kindern immer gesagt. "Ich bin Teil dieser Schuld. Auch ich habe mich weggeduckt und weggesehen". Sehr klar fordert sie später ihr Recht ein, als die Kommission zur Anerkennung politischer Flüchtlinge sie ablehnen will. Eine Schlüsselszene, die ihren Weg zu einer mutigen und selbstbestimmten Person beschreibt.

ufa.de: Der Film beleuchtet aus sehr persönlicher Sicht die prägende Stunde Null, den Wiederaufbau der Bundesrepublik und den Aufbau der DDR. Was hat sie an dem Stoff fasziniert?

Maria Furtwängler: Eine ganze Generation konnte ihre Biografien nicht leben, konnte ihre Fähigkeiten und ihre Liebe nicht leben. Ihr Leben war bestimmt von Verlust. Verlust von geliebten Menschen, von Heimat, von Besitz, von Allem. Etwas, das wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Die Frauengeneration an der zweiten Front, der "Heimatfront", musste plötzlich die Arbeit in den Fabriken, auf dem Bau etc. verrichten und ihre Familien alleine ernähren. Die Frauen, die eine große Abhängigkeit von ihren Männern kannten, waren plötzlich auf sich allein gestellt, haben den Wiederaufbau maßgeblich ermöglicht. Trotzdem haben wir in der Frauengleichberechtigung in Deutschland auch heute noch große Defizite. Dies hat wahrscheinlich auch mit der damals von den Nazis propagierten Gesellschaftsordnung zu tun. Die Idealfrauen dieser Zeit blieben zu Hause und sorgten für Nachwuchs. Diese Werte galten für viele, vor allem in der Bundesrepublik, auch noch nach dem Krieg.

Das Interview führte Julia Kainz/ZDF


Spotlights Übersicht zurück

Meistgelesene Artikel


Drehstart für "Nachtschwestern"

Die Dreharbeiten zur neuen Medical-Serie "Nachtschwestern" von UFA SERIAL DRAMA haben in Berlin und Köln begonnen.

mehr

10 Jahre UFA Nachwuchscasting

Das UFA Nachwuchscasting feiert in diesem Jahr Zehnjähriges!

mehr

First Steps Awards 2018

Der wichtigste und höchst dotierte deutsche Nachwuchspreis First Steps wurde zum 19. Mal in Berlin verliehen.

mehr