"Ein starkes Team" im Interview

Die erste Folge von Ein starkes Team lief im ZDF am 28. März 1994. Seitdem spielen Maja Maranow und Florian Martens das Dream Team Verena Berthold und Otto Garber.

Wie hat sich die Figur, die Sie spielen, im Laufe der Jahre verändert? Müssen Sie sich nach wie vor in die Figuren hineinversetzen oder spielen sich die Rollen wie von selbst?

Maja Maranow:
In so einem Zeitraum sammelt man ja ein paar Erfahrungen, positive wie negative und lernt im besten Fall etwas dazu. Der Blick auf die Dinge verändert sich. Beide können heute zum Beispiel mit den Befindlichkeiten ihres Partners viel besser umgehen als am Anfang.

Florian Martens:
Otto ist älter, etwas kräftiger und etwas weniger hitzköpfig, teilweise sogar gelassen geworden.

Was mögen Sie an ihrer Rolle?

Maja Maranow: Verena Berthold kann sich so schön festbeißen, wenn sie an etwas dran ist, sie hat wirklich Ausdauer. Sie interessiert sich für andere Menschen, kriegt viel mit und hält sich, wenn es um ihr Privatleben geht, eher bedeckt. Den Blick hinter die Fassade gestattet sie letztendlich nur wenigen. Das finde ich ganz spannend, da bleibt etwas offen.

Florian Martens: Ich mag alles an Ottos Figur. Außer dass ich den Eindruck habe, dass sie mich bei der Besetzung anderer Produktionen offenbar festgelegt erscheinen lässt.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und der Rolle, die Sie seit 17 Jahren verkörpern?


Florian Martens:
Irgendwann haben mir die Verantwortlichen im Sender die Rolle auf den Leib geschrieben. Ich muss mich nicht mehr verändern und das ist auch die einzige Rolle, in der ich mir das gestatte. Ein paar Mal hab ich schon erlebt, dass Autoren, die aus dem Schwabenlande oder irgendwo aus dem süddeutschen Raum kamen und die es gut gemeint haben, versucht haben, die Rolle Berlinerisch zu schreiben. Da hab ich mich tot gelacht und hab gesagt: "Schreibt Hochdeutsch, Berlinern tu ick von allene!"

Maja Maranow: Florian hat wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit Otto als ich mit Verena, aber es gibt schon eine Nähe zur Figur. Ich könnte sie mir zum Beispiel ganz gut als Freundin vorstellen, sie ist keine Plaudertasche und nicht ständig mit sich selbst beschäftigt, das qualifiziert sie auf jeden Fall! (lacht)

Wie hat sich das Verhältnis der Besetzung und Figuren im Laufe der Zeit für Sie verändert? Wie ist das Zusammenspiel im gesamten Team mit Chef Reddemann, Kollegen Kolberg, dem verrückten Sputnik?

Florian Martens:
Hat sich nichts verändert – alles okay.

Maja Maranow: Es macht einfach Spaß, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die nicht zum Einschlafen neigen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Das spornt an und man fordert sich gegenseitig. Es gibt kein Gerangel um "Wer steht vorne, wer steht hinten", keine Grabenkämpfe. Bei den Figuren ist es nicht sehr viel anders, im Grunde respektieren sie sich, auch Ben und Otto, trotz gelegentlicher Reibereien. Und Sputnik, der Fantast, kommt ohnehin mit allen klar.

In der Vergangenheit war es oft Otto, der sich um Verena gekümmert hat. In der aktuellen Folge bietet sie ihm eine starke Schulter zum Anlehnen. Wie würden Sie das Kräfteverhältnis zwischen den beiden beschreiben? Ausgeglichen oder ist eine der beiden Figuren emotionaler oder stärker als die andere?

Maja Maranow: Ist mir da irgendwas entgangen? Sie kümmert sich doch genauso um ihn. Wenn er kein Dach überm Kopf hat, lässt sie ihn bei sich wohnen, wenn er Sorgen, Zahn-, Rücken- oder Geldprobleme hat, ist sie für ihn da. Beide stehen einander zur Seite, wenn der andere aus der Spur gerät, oder wenn er den Boden unter den Füßen verliert, wie Otto in diesem Fall. Emotional sind beide Figuren, nur wird Verenas Innenleben nicht so häufig thematisiert, und man erlebt sie auch selten nach Dienstschluss. Da könnte ich mir allerdings einiges bei ihr vorstellen. (lacht)

Florian Martens:
Otto scheint für mich emotionaler, Verena stärker, ansonsten ist es ausgeglichen.

Die Beziehung zwischen Otto und Verena ist im Laufe der Zeit auf einem Level angekommen, auf dem sich die beiden ohne Worte verstehen. Sie vertrauen sich blind. Verhält es sich mit Ihrer Zusammenarbeit ähnlich?


Maja Maranow: Bei uns war von Anfang an ein gegenseitiges Verständnis da. Wir mussten uns am Set auch nie besonders viel erklären. Das war ein echter Glücksfall. Natürlich kann man als Schauspieler eine Antipathie überspielen, aber sicher nicht ewig.

Florian Martens: Wenn wir uns verstehen, dann sicher ohne Worte, das ist aber nicht immer der Fall.

Sie sind beide auch in anderen Spielfilmproduktionen zu sehen. Was macht für Sie den Reiz aus, als Hauptfigur in einer Krimi- Reihe mitzuwirken?

Maja Maranow: Der Reiz liegt ja nicht darin, als Hauptfigur in einer Krimi-Reihe mitzuwirken. Das allein muss ja nicht besonders spannend sein. Es ist die Figur, in dieser Konstellation, in diesem Format. Und mit drei Teilen pro Jahr gibt mir dieses eben auch Zeit lässt, andere Filme zu drehen, was mir sehr wichtig ist.

Florian Martens: Das Schöne ist, nach spannenden beruflichen "Seitensprüngen" immer mal wieder "nach Hause" zu kommen.

Was ist das Besondere am Genre Krimi? Welche Fälle sind für Sie persönlich am spannendsten, welche Themen berühren Sie am meisten?

Maja Maranow: Mich interessieren die Menschen hinter den Fällen. Warum eine scheinbare Nichtigkeit ausreichen kann, eine Situation eskalieren zu lassen. Wie kleine Anlässe etwas ins Rutschen bringen, das dann plötzlich nicht mehr zu steuern ist. Fälle, bei denen sich nicht so einfach zwischen Schuld und Unschuld unterscheiden lässt. Und dann freue ich mich über jede Geschichte, die mal nicht im Großverdiener-
Milieu spielt.

Florian Martens: Ja, besonders spannend wird es, wenn soziale Brennpunkte berührt werden, wo die Authentizität am stärksten ist, so zum Beispiel in der Folge "Dschungelkampf". Am wenigsten interessieren mich Beziehungskisten von millionenschweren Juweliersfamilien in
Zehlendorfer Villen.

Pro Jahr gibt es zwei bis drei neue Fälle, die Einschaltquoten sind kontinuierlich gestiegen - wo sehen Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren der Reihe?

Maja Maranow: Offenbar gefällt den Leuten, dass die Figuren fehlbar sind, dass sie Schwächen haben, und dass es immer wieder auch komödiantische Elemente gibt. Zumindest höre oder lese ich das immer wieder von Zuschauern. Ein weiterer Faktor ist sicherlich - neben der Konstellation der Figuren und ihrer Besetzung - dass die Verantwortlichen vom Sender diesem Format grade in den Anfängen ausreichend Laufzeit gelassen haben. Die Zuschauer hatten Zeit, sich auf diese Reihe einzulassen und sie anzunehmen.

Florian Martens: Der Erfolg liegt meines Erachtens in der ernsthaften Arbeit aller Beteiligten, trotz scheinbarer Routine.

Welches Gesamtgefühl haben Sie, wenn Sie an 17 Jahre "Ein starkes Team" zurückdenken? Und welche guten, lustigen und vielleicht auch skurrilen Situationen und Anekdoten fallen Ihnen ein, wenn Sie an die Dreharbeiten zurückdenken?

Maja Maranow: Das Komische ist, dass es sich für mich überhaupt nicht so lange anfühlt. Das liegt vor allem daran, dass es ursprünglich nur ein einzelner Fernsehfilm war, der dann von Teil zu Teil fortgesetzt wurde. So hatte ich nie das Gefühl, gebunden zu sein Ich habe weitergemacht, weil es mir Spaß gebracht hat. Situationen, in denen wir uns schief gelacht haben, gab es reichlich. Die hatten natürlich oft mit Versprechern, Hängern oder Missgeschicken bei Proben oder vor laufender Kamera zu tun und lassen sich nur schwer wiedergeben. Das findet niemand lustig, der nicht dabei war.

Was verbindet Otto und Verena und macht sie zu einem 'starken Team'?


Maja Maranow:
Sie kennen sich gut und mögen sich trotzdem. Auch wenn sie sich gelegentlich nerven und Meinungsverschiedenheiten haben - das Vertrauen und die Zuneigung wird dadurch nicht erschüttert. Irgendwie haben sie es geschafft, dass sie sich im Großen und Ganzen so akzeptieren wie sie sind.

Florian Martens: Sowohl die Figuren als auch die Darsteller gehen auch nach 17 Jahren noch ernsthaft ihrer Arbeit nach.

Was wünschen Sie sich und dem 'starken Team' für die Zukunft?


Maja Maranow:
Was ich mir immer wünsche - nicht nur für diese Reihe! Gute Bücher von Autoren, die genügend Zeit zum Schreiben und Umschreiben haben, gute Regisseure und Kameraleute, und die Bereitschaft, sich auch an ungewöhnlichere Geschichten und Erzählweisen zu wagen.

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