Interview mit Jonas Nay

Homevideo ist der erste deutsche TV-Film zum Thema Internet-Mobbing, er wurde durch die extremen Entwicklungen der letzten Zeit und den verstärkt auftretenden "Cyber-Bullying" inspiriert.

Inhalt: Jakob (Jonas Nay) ist ein verschlossener, sensibler 15-Jähriger mitten in den Wirren der Pubertät. Er filmt alles mit seiner Videokamera, was ihn gerade bewegt, und liebt ungewöhnliche Fotos. Seine Eltern Claas (Wotan Wilke Möhring) und Irina (Nicole Marischka) wissen wenig von ihm,zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt. Sie stecken in einer Ehekrise – beinahe täglich wird Jakob Zeuge eines Streits.Als Jakobs Mutter ihm eröffnet, dass sie sich von Claas trennen und ausziehen wird, zieht er sich noch mehr in sich zurück.

Auch in der Schule bekommt Jakob Probleme, doch eigentlich ist ihm das alles egal, denn er hat nur Augen für Hannah (Sophia Boehme), in die er verliebt ist. Als er gerade beginnt, ihr näher zu kommen, gerät ein selbst gedrehtes, kompromittierendes Video von Jakob in die Hände seiner Mitschüler. Noch bevor Jakob es sich zurückholen kann, stellt es ein Mitschüler ins Internet – in kürzester Zeit verbreitet sich das Video in der ganzen Schule.

 

Du stehst seit acht Jahren vor der Kamera.Der Jakob in„Homevideo“ war aber Deine erste Hauptrolle in einem Spielfilm. Eine große Herausforderung?

Ich hab vorher viele Kinderproduktionen gemacht, vor allem Serien, also war die Herausforderung auf jeden Fall groß. Aber ich hab mich auch darauf gefreut,muss ich sagen,denn es war eine sehr facettenreiche Rolle, die eine große Entwicklung durchmacht.Hier kam es darauf an, keinen Stereotyp zu spielen, sondern die Figur authentisch auszufüllen. Das war eine große Aufgabe – eine schöne Herausforderung.

Hast Du eine schauspielerische Ausbildung?

Nein, das kann ich nicht von mir behaupten; das war tatsächlich learning by doing. Ich bin ohnehin nur durch Zufall in die Schauspielerei reingerutscht, in ganz jungen Jahren, als ich eigentlich Statisterie beim Theater machen wollte. Das war eine ganz große und spannende Welt, die sich da für mich eröffnete, und auch für meine Eltern, die mich damals begleitet haben. Seit meinen Abi vor einem Jahr mache ich eine musikalische Ausbildung. Ich bin Pop-und Jazz-Musiker;das ist eigentlich eher das,was ich gelernt habe.

Was gefiel Dir an der Geschichte von „Homevideo“?

Als ich vor dem Casting das Drehbuch gelesen habe,war das fürmich wie Krimi-Lesen. Ich war echt gespannt und gepackt von der Geschichte,weil sie sehr,sehr konsequent geschrieben ist und ganz ohne Klischees auskommt. Der Niedergang dieses Jungen ist ohne Kompromisse beschrieben, und diese Konsequenz war auch der Grund, warum mich diese Rolle so interessiert hat und warum ich sie gern spielen wollte. Es gibt nur wenige Szenen in dem Buch, in denen Jakob ein paar Sonnenscheinmomente und schöne Erlebnisse hat, z.B. mit seiner Großmutter oder mit Hannah. Diese unbeschwerten Szenen in dem Buch machen es letzten Endes umso schmerzlicher, diesem Jungen beim Leiden zuzusehen; deswegen haben sie mir wahrscheinlich auch am besten gefallen.

Jakob Moormann tauscht sich übers Internet mit seinen Freunden aus. Bist Du selbst aktiver User solcher Foren – und vielleicht auch mal mit unangenehmen Begleiterscheinungen in Berührung gekommen?


Ich bin bei Facebook und nutze es auch immer wieder, aber eher für Verabredungen und Absprachen mit Freunden oder Bandkollegen. Ich glaube, dass diese Netzwerke erst dann zu Plattformen für Mobbing werden, wenn Langeweile im Spiel ist. Das ist bei mir jetzt nicht der Fall und bei meinen Freunden auch nicht unbedingt. Ich nutze diese Foren sehr bewusst und bin dagegen, Freundschaften einzugehen, die in der realen
Welt gar nicht bestehen. Auf diese Art geht man solchen Dingen wie dem Mobbing aus dem Weg, denke ich. Ich war jedenfalls selbst noch nicht damit konfrontiert.

Jakob filmt sich in einem sehr intimen Moment. Eine schwierige Szene für den Darsteller?

Also, das war, als ich das Drehbuch gelesen habe, sicherlich die Szene, wo ich erst einmal innehalten musste. (lacht) Und es war bestimmt auch die Szene, bei der ich in der Vorbereitung am meisten über meinen eigenen Schatten springen musste. Allerdings fand ich sie insofern plausibel, als dass man als Zuschauer mit Diesem Jungen nur richtig mitfühlen kann, wenn man genau weiß, was die Mitschüler auf ihren Handys sehen. Durch die intensive Vorbereitung mit Kilian Riedhof entstand schnell das notwendige Vertrauen. Die Szene kam im Drehplan auch erst Richtung Ende und es herrschte eine private Stimmung am Set. Insofern kann ich sagen, dass die Vorbereitung letztlich schwieriger war als die Umsetzung selbst. Andere Szenen sind mir deutlich schwerer gefallen. Vor allem die am Schluss der Geschichte, als Jakob verzweifelt ist und sich zu Hause verkriecht. Diese Zusammenbrüche so zu spielen, dass sie authentisch rüberkommen, und das womöglich gleich morgens als Erstes, wenn man zum Set kommt, das war sicherlich schwieriger.

Jakob ist der Häme seiner Mitschüler schutzlos ausgeliefert, als die Aufnahmen von ihm im Netz kursieren .Was, glaubst Du ,müsste anders laufen in seinem Umfeld, damit die Geschichte einen positiveren Verlauf nehmen könnte?

Jakob ist ein introvertierter, künstlerischer Junge, weshalb er sicherlich eine Angriffsfläche für Mobbing bietet. Dazu kommt, dass sich in seinem familiären Umfeld die Trennung der Eltern abzeichnet und Jakob mitten in der Pubertät ist. Seine Situation ist also insgesamt sehr instabil. Besonders viele Freunde hat er nicht. Und ausgerechnet diese „Freunde“, die ihn so dermaßen mobben, waren seine wenigen Halt- und Fixpunkte. Man sieht ja, dass es einer von seinen Kumpels ist, der das Video ins Netz stellt. Das macht die Situation für ihn so schwierig, das wirft ihn aus der Bahn. Mit mehr Rückhalt aus der Familie oder von seiner Freundin und wenn es nicht ausgerechnet seine Kumpels gewesen wären,sondern irgendwelche Deppen, dann hätte die Geschichte einen anderen Verlauf nehmen können. Aber ich denke, es gibt viele vergleichbare Jungen; diese Geschichte ist keineswegs utopisch.

Welche Reaktionen hast Du bislang auf diese Arbeit bekommen? Konntest Du den Film schon mit Freunden zusammen ansehen?


Ich habe den Film mit meiner Familie gesehen. Die erste Reaktion war: schwarzer Bildschirm und total traurige Blicke auf den Fernseher. Es herrschte schon eine sehr gedrückte Stimmung danach. Die Stille nach dem Film war, glaube ich, vielsagender als alle Worte, die danach gefallen sind. Der Film geht schon ganz schön an die Nieren.

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