Interview mit Anna Brüggemann

Die Tatsache, dass Du gemeinsam mit Deinem Bruder die Drehbücher schreibst, wird ja häufig thematisiert. Deswegen mal anders gefragt: abgesehen von der familiären Bindung – wie schwierig ist die Arbeit zu zweit an einem Drehbuch? Wie muss man sich Eure Arbeitsweise vorstellen?

Die Arbeit zu zweit ist bei uns angenehm und konfliktfrei. Ich glaube, weil es bei uns eine letzte Entscheidungsinstanz gibt, und das ist Dietrich. Am Ende ist es sein Film und dem arbeiten wir beide zu. Mir fällt es leicht, mich in Dietrichs Welten einzufühlen, ohne dass es großer Erklärungen bedarf. Was die Zusammenarbeit aber außerdem erst möglich macht, ist unser ähnlicher Humor. Dadurch passiert uns zum Glück nicht, dass wir den anderen mit leisem Befremden betrachten, wie er über tiefliegende Bemühtheitskomik lacht. Am Anfang des Schreibprozesses entwickeln wir die Figuren. Dafür nehmen wir uns viel Zeit, loten die Charaktere in all ihren Höhen und Tiefen aus. Auf der Basis der Figuren entsteht ein detailliertes Treatment. Bei diesen beiden Arbeitsschritten reden wir andauernd miteinander, laufen durchs Zimmer, und Dietrich schreibt mit. Die Dialoge schreibt dann Dietrich, dabei ändern sich auch noch mal Dinge, und es kommt seine ganz eigene Note, sein unvergleichlicher Humor zum Tragen. Die Änderungen von Drehbuchfassung zu Drehbuchfassung beschließen wir wieder gemeinsam.




Der Film "3 Zimmer / Küche / Bad" erzählt das Leben von acht Freunden. Worauf muss man beim Schreiben achten, wenn man so viele Protagonisten hat?

Niemand darf zu kurz kommen! Das heißt, man muss beim Schreiben jeden der Acht verstehen und mögen. Und das tun wir bis heute. Aber es darf auch niemand zu lange bleiben! Wenn über Seiten nur die Probleme einer Figur erzählt werden, wird es langatmig
und langweilig. Und das ist gar nicht so einfach, alle müssen am Ende dem Zuschauer immer präsent sein, trotzdem darf es nicht oberflächlich werden. Das heißt, man braucht griffige Szenen, in denen en passant gewichtige Dinge passieren. Wir haben uns allerdings nie Gedanken darüber gemacht, ob die Figuren unterschiedlich genug sind. Alle Acht standen von Anfang an sehr lebendig vor unserem inneren Auge.


Mit der Rolle von Corinna Harfouch gerät eine gestandene Frau plötzlich in eine ähnliche Situation wie die junge Generation. Wie wichtig war es Euch, auch diese Ebene zu erzählen?

Sehr wichtig. Wir wollten nicht nur über junge Leute erzählen, die viel umziehen, weil sie nichts Besseres zu tun haben. Ein Umzug ist meistens mit einer gravierenden Veränderung im persönlichen Bereich verbunden. Das kann einen in jedem Alter treffen. Außerdem ist der Umzug dieser beiden Figuren, die einem gesetzt und angekommen erscheinen, auch ein Sinnbild fürs Leben. Alles ist ein großer Umzug, es hört nie auf.


Neben Deiner Arbeit am Drehbuch spielst Du wieder eine der Hauptrollen im Film. Hat man beim Schreiben diese Tatsache im Kopf? Hat das Einfluss darauf, wie Du Deine Figur, die Du später spielen wirst, zeichnest?

In dem Fall hatten sowohl Dietrich als auch ich Lust darauf, mir mal eine Figur zu schreiben, die nicht durchweg sympathisch ist. Insofern war uns schnell klar, dass ich Dina spiele. Auf die Entwicklung der Figur hatte das aber trotzdem keinen Einfluss, ich konnte
sehr gut professionelle Distanz zu ihr während des Schreibprozesses einnehmen. Während des Schreibens komme ich mir übrigens auch nicht vor wie eine Schauspielerin. Wenn ich dann am Set bin, blende ich automatisch aus, dass ich an dem Drehbuch beteiligt
war. Arbeitschizophrenie nennt man das.


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