Auf beiden Seiten des Atlantiks produzierte Erich Pommer mehr als 200 Filme, darunter solche Meisterwerke der Filmgeschichte wie Das Cabinet des Dr. Caligari, Metropolis und Der Blaue Engel. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und ersten Tätigkeiten in der Berliner Filiale des französischen Gaumont-Konzerns gründete Erich Pommer (1889-1966) 1915 die „Decla-Film-Gesellschaft“, die später zur „Decla-Bioscop AG“ fusionierte und 1920 Teil der UFA wurde.

In Pommers produzentischer Verantwortung vor seiner UFA-Zeit fallen filmische Meisterwerke wie Das Cabinet des Dr. Caligari (Regie: Robert Wiene) oder Der müde Tod (Regie: Fritz Lang). Bei der UFA produzierte er Filmklassiker wie Die Nibelungen, Der letzte Mann, Varieté, Faust und viele weitere. Im Laufe seiner Karriere arbeitete Erich Pommer mit Fritz Lang und Friedrich Wilhlem Murnau, in der Zeit seines Exils in den USA und später mit Regiegrößen wie Alfred Hitchcock oder Billy Wilder. Er war bekannt für sein ausgeprägtes Interesse an organisatorischen und technischen Innovationen und der Förderung von jungen Talenten. Kalkulationen, Drehpläne, aber auch technische Neuerungen wie Kamerafahrten führt er bei seiner Arbeit ein.

Auch Metropolis, der UFA-Film, der heute als Meilenstein der Filmgeschichte gilt, entstand unter der Verantwortung Pommers. Er zählte zu den teuersten Filme der damaligen Zeit und trieb die UFA beinahe in den finanziellen Ruin. Die Kostenexplosion von Metropolis wurde Pommer angelastet, daraufhin verlässt er für ein Jahr die Firma und geht ins Ausland. Als die UFA 1927 vom Hugenberg-Konzern aufgekauft wird, kehrte er als Produzent zurück und realisierte Filme von Joe May und Hanns Schwarz sowie den ersten UFA-Tonfilm Melodie des Herzens. Pommer holte den Regisseur Josef von Sternberg für den Blauen Engel nach Berlin, förderte den Regisseur Robert Siodmak und produzierte Die Drei von der Tankstelle, Der Kongreß tanzt und Ein blonder Traum.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wird für Pommer die Lage in Deutschland immer unerträglicher. Nach seiner Kündigung weil er Jude war, verlässt er Deutschland. Er arbeitet als Produzent in Frankreich, England und Hollywood, es gelingt ihm jedoch nicht an seinen einstigen Erfolg anzuknüpfen. Im Jahr 1941 erleidet Erich Pommer einen Herzinfarkt und tritt kürzer. Seine finanzielle Lage verschlechtert sich zunehmend worauf er einige Zeit in einer Porzellan-Fabrik arbeitete. 1944 wird er amerikanischer Bürger, doch schon im Sommer 1946 kehrt Pommer als US-Filmkontrolloffizier nach Deutschland zurück, um die Entflechtungspolitik der Amerikaner in der deutschen Medienbranche durchzusetzen. Er vermittelt zwischen den Interessen seiner US-amerikanischen Auftraggeber und den deutschen Antragstellern, viele von ihnen ehemalige Kollegen. Bis 1948 entstehen in Westdeutschland unter seiner Aufsicht insgesamt 28 Spielfilme. Der erste mit amerikanischer Lizenz in Deutschland produzierte Spielfilm war Und über uns der Himmel (Regie Josef von Baky). 1949 quittiert Erich Pommer seinen Dienst in der Armee und unternimmt in den kommenden Jahren noch zwei Versuche, als Produzent wieder in das Filmgeschäft einzusteigen – beide scheitern.

Seine Gesundheit verschlechtert sich drastisch und zwingt ihn, Deutschland für immer zu verlassen und nach Kalifornien zurückzukehren. Am 8. Mai 1966 stirbt Erich Pommer in Los Angeles.

„Die Ufa respektive die deutsche Filmindustrie verdankt ihren Aufstieg und ihre damalige Weltgeltung nur ihm. Pommers große Bedeutung lag vor allem darin, dass er mit jeder Sparte der Filmherstellung vertraut war, dass er auch alle technischen Dinge, vom Atelier über die Beleuchtung bis zum Entwicklungslabor, selbst bewerten konnte.“ (Fritz Lang).

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