Mantrailer: Interview mit Film-Tier-Trainer Marco Heyse

Hatten Sie Finn vorher schon oder mussten Sie ihn erst finden?
„Finn musste ich tatsächlich erst für die Dreharbeiten finden. Und es war gar nicht so leicht. Am Ende habe ich ihn bei einer befreundeten Züchterin entdeckt, die Langhaarweimaraner züchtet. Finn war vom letzten Wurf übrig geblieben und keiner wollte ihn haben. Er hat einfach nur auf seine große Chance gewartet. Denn ich brauchte einen ausgewachsenen Langhaarweimaraner und keinen Welpen mehr. Man muss erst mal einen Hund finden, der sich dazu eignet und dem Ganzen gewachsen ist. Das passte. Finn bringt alles mit, was ein Film Hund haben muss: ein gewisses Talent, Unerschrockenheit, Kontaktfreudigkeit mit fremdem Menschen. Und er frisst gerne… Heute lebt Finn bei uns.“ (lacht)

Wie haben Sie Finn auf die Dreharbeiten vorbereitet?
„Es gibt ein klassisches Vokabeltraining. Das Tier lernt Begriffe wie Sitz, Platz und Herankommen. Dann trainiert man Dinge wie auf Kommando bellen und eine Spur zu verfolgen.“

Wie sieht so ein Drehalltag für einen Hund am Set aus?
„Wir starten mit einer ordentlichen Morgenrunde und fahren anschließend zum Set. Weil wir im Winter gedreht haben, brauchten wir ein warmes Auto. Damit sich Finn zwischen den Drehs ausruhen konnte und wohlgefühlt hat. Dann halten wir die Hunde zurück und laufen nicht mit ihnen zwischen den Menschen herum. Das macht sie müde. Oft ist es auch gut, wenn sich das Tier langweilt. Denn so empfindet er das Set als angenehm und freut sich auf seine Arbeit.“


Mit welchen Tricks arbeiten Sie als Tiertrainer, damit der Hund auch immer schön mitmacht?

„Der Trick dabei ist, eine Motivation beim Tier erzeugen zu können. Man muss herausfinden, was dem Hund Spaß macht und muss ihn dann belohnen. Bei Finn war es total einfach, weil er total verfressen ist. Da kann man viel über Futter machen. Er ist auch ein Hund, der sich freut, wenn er etwas richtig gemacht hat. Natürlich habe ich ihm auch meine Begeisterung über seine hervorragenden Leistungen gezeigt, dass hat ihn zusätzlich angespornt.“

Stimmt es, dass Finn ein Double hatte?
„Ja, das stimmt. Es ist immer gut, mehrere Hunde vor Ort zu haben. In diesem Fall war es der etwas ältere Langhaarweimaraner Pascha. Wir haben viel mit Finn gemacht, aber Pascha konnte zum Bespiel in einer Szene den Schauspieler viel besser anspringen als Finn. Pascha traute sich in dem Moment einfach mehr und das Bild sah bei ihm am besten aus. Großer Vorteil ist auch, wenn der eine Hund schon so müde ist, dann kann man auf den anderen Hund zurückgreifen.“

Wie haben Sie sich auf das Thema Mantrailing vorbereitet?
„Ich habe viel über Mantrailing gelesen. Viele Hunde machen es ja schon von sich aus, dass sie einer Spur folgen, weil es ihnen Spaß macht. Man zwingt die Tiere ja nicht dazu, eine Fährte aufzunehmen.“

Hat Finn tatsächlich Geruchsspuren verfolgt oder wie haben Sie ihn dazu gekriegt, scheinbar einem Duft hinterherzulaufen?
„Ich habe das Mantrailing mit Finn geübt, und er kann es tatsächlich. Aber bei seiner Geschwindigkeit war es bei den Dreharbeiten manchmal etwas schwierig. Oder er schnüffelte an bestimmten Stellen etwas länger, was total doof war, weil ausgerechnet da der Hintergrund vielleicht nicht gut aussah…deshalb haben wir keine echte Fährte gelegt, sondern es war alles auf Sichtweite. Der Hund sieht mich, und die Kamera und ich konnte mich immer im bestimmten Abstand vorne weg bewegen und Finn zu mir locken.“

Im Movie verfolgt Finn die Geruchsspuren meistens an der Leine und alle Beamten laufen mit. Ist das in der Realität auch so? Kann man das Tier nicht frei laufen lassen?
„Nein, den Hund kann man nicht frei laufen lassen. Der ist ja viel schneller als der Mensch. Wenn der Hund eine Spur hat, dann ist der weg. (lacht) Nicht zu vergessen, dass es auch mal eine befahrene Gegend sein kann, das ist viel zu gefährlich. In der Regel ist der Hund an einer von 8 bis zu 15 Meter langen Leine zu führen. Das lässt ihm dann auch eine Menge Spielraum.“

Gab es während der Dreharbeiten auch heikle Situationen?
„Leider war der erste Drehtag an der Berliner Siegessäule nicht so toll: Der Hund sollte sich einfach nur hinsetzen und er tat es nicht. Finn war aufgeregt, ich war aufgeregt, am Set herrschte eine Aufregung. Es klappte und klappte einfach nicht. Da haben wir Pascha geholt und was war? Er hat sich ganz cool hingesetzt.“ (lacht)

Welche Hunde eigenen sich besonders für´s Mantrailing?
„Es gibt Spezialzüchtungen wie Bloodhounds und Foxhounds oder aber auch die hoch motivierten Rassen wie den Border Collie. Ansonsten eignen sich alle Hunde, die einen eigenen Trieb und Ausdauer haben, etwas machen zu wollen. Diese Tiere wollen jemandem gefallen, also Aufmerksamkeit. Und richtig gute Hunde bringen die entsprechenden Eigenschaften sowieso mit.“


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