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JFBB präsentiert Hommage an Emeric Pressburger anlässlich „100 Jahre UFA“


15.06.2017

Berlin/Potsdam, 15. Juni 2017. Vom 04. – 06. Juli stellt das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg in Kooperation mit der UFA GmbH, der Filmuniversität Babelsberg und dem Filmmuseum Potsdam anlässlich des UFA-Jubiläums einen der produktivsten jüdischen Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure ins Zentrum einer Hommage: Emeric Pressburger (1902-1988). Als Drehbuchautor und Produzent wirkte er an über 90 Spielfilmen mit und führte selbst bei 17 Filmen Regie. Die gemeinsame Sonderreihe von UFA und JFBB zeigt exemplarisch Pressburgers Filmschaffen bei der UFA, in den Kriegsjahren in Lon-don und danach.

100 Jahre UFA sind auf erfolgreiche und gleichermaßen schmerzhafte Weise untrenn-bar mit dem kreativen künstlerischen Wirken unzähliger Filmschaffender verbunden. Die Namen sind Legende, doch ihr Wirken, und nicht nur das der großen Stars wie Fritz Lang und Billy Wilder, soll dem Schatten der Geschichte entrissen werden.

Viele der Regisseure, Drehbuchautoren, Komponisten, Kameraleute, Designer und Schauspieler, die wesentlich zum glanzvollen Aufstieg der UFA beitrugen, wurden nach der Machtergreifung der Nazis 1933 vertrieben, verfolgt oder ermordet. Über 2.000 zumeist jüdische Filmschaffende suchten nach 1933 in Paris, London, Hollywood und andernorts nach neuer beruflicher Perspektive. Nur wenigen war es vergönnt, ihre Karriere im Exil fortzusetzen. Der Verlust für die deutsche Filmwirtschaft ist bis heute spürbar.

„Wir sehen es als eine unserer zentralen Aufgaben an, die filmische Erinnerung an die-se Künstler für ein breites Publikum sichtbar zu machen. Das ist längst nicht nur eine Pflichtübung, sondern führt uns immer wieder zu wunderbaren Entdeckungen. Viele Filme aus dem reichhaltigen Werk Emeric Pressburgers sind echte filmische Fundstü-cke, ebenso wie die herrliche Dokumentation seines Enkels Kevin Macdonald über sei-nen Großvater mit dem vielversprechenden Titel »The Making of an Englishman«. Wir möchten mit der Reihe aber auch auf einen Umstand hinweisen, der in der Erinnerung oft vergessen wird: Die jüdischen ExilantInnen sind nie zurückgerufen worden“, so Nicola Galliner, Leiterin des JFBB.

„Für uns stellt der 100. Jahrestag der Gründung der UFA einen würdigen Rahmen dar, um an die vertriebenen und ermordeten Filmkünstler zu erinnern und sie dem Verges-sen zu entreißen. Es ist die dunkle Zeit der UFA, der wir uns mit diesem Engagement stellen wollen. Wir freuen uns, gemeinsam mit dem JFBB so wunderbare Filme, wie sie in der Pressburger-Hommage versammelt sind, präsentieren zu dürfen,“ so Wolf Bauer und Nico Hofmann, Co-CEOs der UFA.

Die Hommage wurde vom renommierten jüdischen Filmwissenschaftler Prof. Frank Stern kuratiert.

Eröffnung der Hommage am 04.07.2017, 19.00 Uhr / Filmmuseum Potsdam:

THE MAKING OF AN ENGLISHMAN

Dokumentarfilm, Großbritannien 1995, 51min, engl./ung. mit deutschen Untertiteln
Regie: Kevin Macdonald
Buch: Kevin Macdonald
Produktion: Andrew Macdonald, Michael Darlow
Kamera: Balázs Bélafalvy, Zoltán Szathmári

Kevin Macdonald, der Enkel von Emeric Pressburger und selbst vielfach ausgezeichne-ter Filmregisseur (Oscar für die Dokumentation »Ein Tag im September«), hat seinem Großvater den Dokumentarfilm »The Making of an Englishman« gewidmet. Gleich zu Beginn beschreibt er ihn als einen ungarischen Juden, der nach seiner Flucht stets ge-willt war, englischer als die Engländer zu sein – vor allem aber ein Gentleman. Inner-halb weniger Jahre wurde Pressburger zu einem der erfolgreichsten Filmemacher des Landes. Filmausschnitte, Gespräche mit Martin Scorsese, dem die Restaurierung von »Colonel Blimp« zu verdanken ist, und mit Curt Siodmak zeichnen diesen spannenden und berührenden Dokumentarfilm aus.

Zusammen mit seinem Bruder, dem Produzenten Andrew Macdonald (»The Beach«, »28 Days Later«, »Trainspotting«), stellt Kevin Macdonald den Film in Potsdam vor, Staatssekretär Thomas Kralinski (Chef der Staatskanzlei Brandenburg) begrüßt.


Programm der Hommage

Die UFA Zeit

Präsentation von zwei Filmen, exemplarisch für Pressburgers Arbeit vor dem Exil
Mit wissenschaftlichen Einführungen von Prof. Frank Stern

ABSCHIED
05.07.2017, 17.00 Uhr / Filmmuseum Potsdam
Spielfilm, Deutschland 1930, 72min, deutsch
Regie: Robert Siodmak
Buch: Emeric Pressburger, Irma von Cube
Produktion: Bruno Duday
Kamera: Eugen Schüfftan

Emeric Pressburger war mit einem Drehbuch über das Scheitern einer jungen Liebe bei der Ufa vorstellig geworden. Der dort neu angestellte Regisseur Robert Siodmak griff zu. Der Film spielt in Echtzeit in einer Berliner Pension, die von schrägen Typen bewohnt wird und in der ein kleines Missverständnis dazu führt, dass es schließlich kein Happy End sondern eben nur einen Abschied gibt.
Pressburgers cineastischer Beginn ist heute noch sehenswert. Besonders die nahe Mi-lieuschilderung und die einfühlsame Kameraarbeit Eugen Schüfftans prägen den Film, der zu den ersten deutschen Tonfilmen gehört.

EMIL UND DIE DETEKTIVE,
5. Juli 2017, 19.00 Uhr / Filmmuseum Potsdam

Spielfilm, Deutschland 1931, 72min, deutsch
Regie: Gerhard Lamprecht
Buch: Emeric Pressburger, Erich Kästner, Billy Wilder
Produktion: Günther Stapenhorst
Kamera: Werner Brandes

Der Klassiker der Kinderliteratur der Zwischenkriegszeit wurde 1931 zu einem Klassi-ker des realistischen, dramatischen und eigentlich auch poetischen Films, dem weder expressionistische noch sozialkritische Elemente fremd waren. Die kühnen und gewitz-ten Gören aus Berlin-Mitte helfen einem Jungen aus der Provinz, die kleinkriminelle Welt der Erwachsenen zu überlisten. Im Film kann man spüren, mit welcher Fabulier-lust und szenischen Gestaltungskraft die Drehbuchautoren Pressburger und Wilder dem Roman zu einer bleibenden Visualisierung verholfen haben.

Exil / Nachkriegsjahre
Präsentation von zwei Filmen, exemplarisch für Pressburgers Arbeit in London
Mit wissenschaftlichen Einführungen von Prof. Frank Stern

DIE SCHWARZE NARZISSE – BLACK NARCISSUS
6. Juli 2017, 17.00 Uhr / Filmmuseum Potsdam

Spielfilm, Großbritannien 1947, 102min, deutsche Fassung
Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger
Buch: Rumer Godden, Michael Powell, Emeric Pressburger
Produktion: Michael Powell, Emeric Pressburger
Kamera: Jack Cardiff

Fünf englische Nonnen, geplagt von Erinnerungen und unerfüllten Träumen, sollen einen Konvent auf dem Himalaya eröffnen. Es ist die Zeit der britischen Kolonialherr-schaft und ihrer Krisen. Nach der Premiere schrieb die amerikanische Filmzeitschrift Variety: »Es ist die Geschichte von zwei sexhungrigen Frauen und einem Mann. Und da die Frauen Nonnen sind, kann es kein Happy End geben – außer vielleicht in einem spirituellen Sinn«. (31.12.1946) Der Film hebt sich durch die Kameraführung, das De-sign und die überraschende Farbgebung von anderen Filmen der Zeit ab und gewann 1947 zwei Oscars.

THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP
6. Juli 2017, 19.00 Uhr / Filmmuseum Potsdam

Spielfilm, Großbritannien 1943, 163min, englisch mit deutschen Untertiteln
Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger
Buch: Michael Powell, Emeric Pressburger
Produktion: Michael Powell, Emeric Pressburger
Kamera: Georges Périnal

»Colonel Blimp« ist eine cineastische Rarität: Liebe und Krieg in Technicolor. Ein Film, entstanden in Kriegszeiten, der sich mit leichter Geste des britischen Soldatentums an-nimmt und den das Kriegsministerium überhaupt nicht produziert sehen wollte. Pre-mierminister Churchill suchte einen der Hauptdarsteller, Anton Walbrook, persönlich in seiner Garderobe auf: Der Film sei untragbar, der Held kein gutes patriotisches Bei-spiel! Die sogenannte »Blimp-Affaire« drehte sich um die Frage, ob die Geschichte von Colonel Blimp »antibritisch« war. Für 1943 war die Zeichnung des deutschen Antihel-den, eines Offiziers der kaiserlichen Armee, zu positiv. Die Kritik unterstellte dem »Un-garn« Pressburger, dass er nicht wirklich »britisch fühlte«. Nach Zensureingriffen wur-de »Colonel Blimp« erst 1983 wieder in der Premierenfassung gezeigt.

Alle Filmbeschreibungen der Hommage an Emeric Pressburger: Prof. Frank Stern

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg (2. bis 11. Juli 2017) ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das größte Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland. Es ist damit das älteste und wichtigste kulturelle Event seiner Art und we-sentlicher Teil des vielfältigen jüdischen Lebens in Berlin und Brandenburg. Sein Schwerpunkt ist die filmische Auseinandersetzung mit allen Facetten des jüdischen Le-bens und dessen ständigem Wandel, in Deutschland, Israel, Europa und dem Rest der Welt.
Im Fokus steht dabei die gesamte Bandbreite des aktuellen filmischen Schaffens – vom anspruchsvollen Independent- und Arthousekino über Dokumentarfilme bis hin zum Essayistischen und Experimentellen.

Weitere Informationen zum JFBB finden Sie auf www.jfbb.de.
Das komplette Programm kann ab Mitte Juni 2017 eingesehen werden.
Folgen Sie dem JFFB auf Facebook: www.facebook.com/jffberlin

Pressekontakt
SteinbrennerMüller Kommunikation
Kristian Müller & Dr. Kathrin Steinbrenner,
km@steinbrennermueller.de, ks@steinbrennermueller.de,
Telefon: 030 / 4737 2192 und 030 / 4737 2191


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