UFA in der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verfolgten die westlichen Alliierten einen strikten Entflechtungs- und Reprivatisierungskurs des UFA-Konzerns. Die Sowjets, denen der größte Teil des UFA-Besitzes zugefallen war – die wichtigsten Filmateliers befanden sich auf ihrem Gebiet, insgesamt verfügten sie über 70 Prozent des gesamten Ufi-Vermögens – sahen die Chance, die verbliebene Konzernmasse in den Dienst ihrer ideologischen Ziele zu stellen und als Instrument für die Umerziehung der in ihrer Besatzungszone lebenden Bevölkerung einzusetzen – nicht aber bevor die bewegliche technische Ausrüstung von ihnen nahezu vollständig demontiert worden war.

Was den Umerziehungsgedanken betraf, unterschieden sich die Sowjets in ihrer Filmpolitik nicht wesentlich von den westlichen Alliierten: Nach der Zerschlagung des Monopols sollte der deutsche Film zukünftig der Entnazifizierung eines „schuldbeladenen Volkes“ dienen. Beide Seiten beschritten aber schon unmittelbar nach Kriegsende getrennte Wege beim Aufbau einer neuen deutschen Filmindustrie.

Standortvorteil und konsequente Durchsetzung politischer Interessen führten in der sowjetischen Besatzungszone bereits 1946 zur Gründung der Deutschen Filmaktiengesellschaft (DEFA) in den Althoff-Studios in Neubabelsberg. Die Abkürzung DEFA ließ Assoziationen zum altbekannten Filmkonzern zu, inhaltlich aber stieß sich die DEFA klar vom kriegsverherrlichenden Heldenpathos ab, vertrat antifaschistische Positionen und förderte den Antikriegsfilm. Aus der sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft wurde 1952 ein VEB, ein Volkseigener Betrieb der DDR.

Schon kurz vor Gründung der DEFA, im Mai 1946, begannen die Dreharbeiten zum ersten deutschen Nachkriegsfilm bzw. dem ersten DEFA-Spielfilm. Unter der Regie von Wolfgang Staudte entstand der Film Die Mörder sind unter uns (UA 1946), der den schwierigen Weg eines kriegstraumatisierten Heimkehrers in das zerbombte Berlin zum Thema hatte.

Das Interesse von Schauspielern, Technikern, Regisseuren an der DEFA, der ersten Filmproduktionsfirma in Deutschland nach dem Krieg, war riesig, wenn auch die großen Stars auf Distanz gingen. Viele Filmleute hatten zuvor für die UFA gearbeitet, sodass sich ein beinahe nahtloser stilistischer Übergang von der UFA zur DEFA vollzog. Bis 1950 entstanden 26 Spielfilme, die inhaltlich das Alte zu überwinden suchten. „Wir wollten geistig und künstlerisch einen Neuanfang. Uns bewegte eine strikte antifaschistische Haltung, wir strebten danach, auch mit der Filmkunst zur Demokratisierung beizutragen“, so der Regisseur Kurt Maetzig (Ehe im Schatten, UA 1947; Die Buntkarierten, UA 1948/49).

Bild: Die Mörder sind unter uns (1646), Regie Wolfgang Staudte, Deutsche Kinemathek


Bookmark and Share
Spotlights Übersicht zurück

Meistgelesene Artikel


"Charité" feiert Premiere in Berlin

Das "Charité"-Team rund um Alicia von Rittberg, Emilia Schüle uvm. liefen bei der Premiere in Berlin über den roten Teppich.

mehr

Spionage Thriller "Der gleiche Himmel"

Auf Spionage mti Tom Schilling, Sofia Helin, Friederike Becht, Ben Becker u.a. am 27., 29. & 30.03.2017 im ZDF.

mehr

Art of Gaming

Das neue Gaming-Webmagazin mit den beiden Profi-Gamerinnen Melek Balgün und Trinity

mehr