Leben und Wirken von Heinrich George

Heinrich George war einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Schauspieler nach Ende des Ersten Weltkriegs. Er verließ vor seinem Abitur die Oberrealschule in Berlin, um in Stettin Schauspielunterricht zu nehmen und war vorerst in verschiedenen Theaterstücken zu sehen, bis er sich im Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger meldete und im Winter 1915 schwer verwundet wurde.
Nach seiner Genesung folgten Anstellungen in Dresden am Albert-Theater, Frankfurt am Main am Schauspielhaus und am Deutschen Theater in Berlin. Ab 1921 war er erstmals in kleineren Nebenrollen in Stummfilmen zu sehen. In den folgenden Jahren wurde er einer der renommiertesten Schauspieler der Weimarer Republik. 1926 spielte er beispielsweise in Fritz Langs UFA-Film „Metropolis“ den Werkmeister der Herzmaschine.

In der Vorkriegszeit sah Heinrich George, wie viele andere seiner Zeitgenossen, Hitler als einen fähigen, willensstarken Politiker, der die Verhältnisse zum Besseren wenden könnte. Dass dies eine Illusion war, gehörte sicher zu den schmerzlichsten Erkenntnissen Georges in den nächsten Jahren.

 

Er arrangierte sich mit dem NS-Regime und übernahm Rollen in der NS-Film- und Radiopropaganda. Im Sommer 1933 stand er mit seiner Frau Berta Drews für den UFA-Film "Hitlerjunge Quex" vor der Kamera. Die Weigerung, an solchen Propagandafilmen mitzuwirken, hätte für George sicherlich bedeutet, keine Filmrollen mehr zu bekommen und vermutlich nicht mehr an den großen Bühnen Berlins spielen zu dürfen. Das wäre für ihn als Künstler natürlich schwierig gewesen. Als Familienoberhaupt konnte er den Wegfall von Einnahmen nicht riskieren und musste ebenso bedenken, welche Folgen das für seine Frau Berta Drews, die ja ebenfalls Schauspielerin war, und für seine Kinder bedeutet hätte. Mit Kriegsbeginn änderte sich das nochmals drastisch. Dem Krieg wurde alles untergeordnet. Wer sich nicht fügte, galt als Volksfeind, der entsprechend zu behandeln war. Goebbels und seine Mitarbeiter unterbanden alles, was ihren Zielen nicht genehm war. So arrangierte sich auch Heinrich George mit den neuen Verhältnissen und bekam wieder bedeutende Rollen und schließlich die Intendantur des Schiller-Theaters in Berlin. Dennoch war er für Freunde, aber auch für Bekannte und Unbekannte da. Er ist in den Erinnerungen seiner früheren Kollegen und Angestellten immer streng, aber gerecht, gewesen.

Viele Schauspieler der damaligen Zeit versuchten sich vor Rollen in Propagandafilmen zu drücken. Natürlich wurden dabei nicht die wirklichen Beweggründe genannt. So äußerte auch George künstlerische Bedenken und schob Terminprobleme vor, um sich seiner Rolle in "Jud Süß" zu entziehen. Goebbels wirkte jedoch persönlich auf die Schauspieler ein, die das Projekt behinderten, was dazu führte, dass George die Rolle am Ende doch annahm. Was konkret geschehen wäre, wenn er die Rolle des Herzogs in "Jud Süß" nicht gespielt hätte, bleibt spekulativ.

Bereits zum Ende der NS-Zeit war George nicht mehr unumstritten. Anlässlich von Auslandsgastspielen im besetzten Frankreich und Norwegen kam es zu Berichten über George hinsichtlich seines Umgangs mit der begleitenden NS-Presse. Der Leiter der Theaterabteilung im Propagandaministerium, der sich George gegenüber stets als loyaler Freund gab, forderte beispielsweise entsprechende Berichte ab, um sie Goebbels zur Kenntnis bringen zu können.

Kurz nach Kriegsende, im Mai 1945, begann das, was Georges Sohn Götz mit Bezug auf seinen Vater als "er hat bezahlt" bezeichnete. Im Juni 1945 wurde er aufgrund einer Denunziation verhaftet und vom sowjetischen Geheimdienst NKWD zuerst in Hohenschönhausen, dann im sowjetischen Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen interniert. George habe "durch seine profaschistische Agitation in Rundfunk und Zeitung zur Fortsetzung des Krieges beigetragen", hieß es. Er wurde in den sowjetischen Verhören explizit auf "Hitlerjunge Quex", "Jud Süß" und "Kolberg" angesprochen. Des Weiteren wurden diverse Äußerungen in Druckmedien und im Fernsehen negativ vermerkt. Sein Einsatz für jüdische Schauspieler wie beispielsweise Ernst Stahl-Nachbaur und Robert Müller und für Kollegen mit vormals kommunistischem Hintergrund war zwar aktenkundig, wurde aber nicht positiv vermerkt. Es gab Kollegen, die sich soweit es ihnen möglich war, für George bei den sowjetischen Besatzungsbehörden einsetzten, um seine Freilassung zu erreichen, aber alle, die helfen wollten, wurden nicht gehört und die, die hätten helfen können, taten es nicht.

Der einst massige Mann starb am 25. September 1946 völlig entkräftet im Alter von 52 Jahren in sowjetischer Lagerhaft, vermutlich an einem Hungerödem. Die Lagerverwaltung hatte den praktischen Arzt Dr. Schumann gedrängt, als Todesursache „An den Folgen einer Blinddarmoperation“ einzutragen, was dieser als offenkundig falsch jedoch ablehnte. Die Gebeine Georges wurden erst 1994 nach Angaben eines Mithäftlings in einem Waldstück bei Sachsenhausen gefunden und mittels eines DNS-Vergleichs mit seinen Söhnen identifiziert. Sein Grab befindet sich auf dem Städtischen Friedhof Berlin-Zehlendorf.

Nach Bekanntwerden seines Todes schrieb Paul Wegener im Dezember in einem Brief an Asta Nielsen: "Heinrich George ist tot. Das hatte er nicht verdient. Man hätte ihn trotz seines aufdringlichen Nazismus laufen lassen müssen, um diese einmalige genialische Kraft der deutschen Kunst zu erhalten. Es tut mir leid."

Dass er das Edle in seiner Kunst nicht bewahren konnte und sich bestimmten Dingen nicht verweigert hat, weil er nicht wollte und oft auch nicht konnte, gehört wohl zur Tragik von Georges Wirken im „Dritten Reich“.
In seinen letzten Monaten in sowjetischer Haft war George wieder ganz und gar bei seiner Kunst. Er organisierte Theateraufführungen um selbst (geistig) zu überleben, und half damit anderen zu überleben.

Link:
Mehr zur Verfilmung über Leben und Tod Heinrich Georges finden Sie hier


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