Baron Münchhausen

„Die Phantasie in Bakys Film ist eine Domäne der Mechanik. Die Ufa zeigt ihren Fundus, ihren Apparat und ihre Stars vor. Ein Märchen zwischen Braunschweig, St. Petersburg und Venedig als Traumwelt in Farbe getaucht“ so beschrieb Karsten Witte "Münchhausen", der am 5. März 1943 im Ufa-Palast Berlin seine Uraufführung feierte, vier Wochen zuvor hatte die 6. Armee der Wehrmacht bei Stalingrad kapituliert. Das Großprojekt erschien pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der UFA, der Aufwand war exorbitant, das Budget mit 6,475 Millionen Reichsmark (ca. 28 Millionen Euro) riesig und die Besetzung hochkarätig. Der Prestigefilm sollte zeigen, wie leistungsfähig die deutsche Filmindustrie war, eine Produktion, die sich mit großen Hollywoodproduktionen messen lassen konnte, die beeindrucken sollte, im Inland wie im Ausland. 1943 fehlte es in Deutschland an allen Ecken, Kleidung und Essen waren Mangelware, die Reichsstelle für Chemie ließ die Filmwirtschaft wissen, dass die Kerzen knapp wurden, aber für Münchhausen erstrahlte ein Lichtermeer, außerdem verlautete die Intendanz das Kostümfilme mit ihrem Verbrauch von „Vielen tausend Metern kostbarer und für die Bevölkerung lebensnotwendige Spinnstoffe“ seien nicht mehr zu verwirklichen, doch für den Jubiläumsfilm durfte Kostüm-Designerin Manon Hahn in Barokat und Spitze schwelgen und 1000 Komparsen mit Rokoko-Kostümen ausstaffieren.

Alle Rädchen wurden in Bewegung gesetzt, sogar Erich Kästner, der eigentlich mit Berufsverbot belegte Autor, durfte mit Sondererlaubnis das Drehbuch unter dem Pseudonym Berthold Bürger schreiben. Mit der 1787 von Gottfried August Bürger veröffentlichten Schnurrensammlung um den Lügenbaron hatte das Kästnersche Buch nur noch einige wenige Episoden gemein. Aus dem Schwadroneur wurde ein tadelloser Offizier und Frauenheld, der vom heimischen Braunschweig bis zu Krim mutig, kämpferisch und begehrt war. Besetzt wurde die Rolle von Hans Albres, zu diesem Zeitpunkt war er 50 Jahre alt. Er sollte den perfekten Soldaten verkörpern, der Film wurde 1941 vom Propagandaminister Goebbels in Auftrag gegeben. Während des Krieges wurde der Film in Frankreich, Schweiz und Spanien umjubelt, nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde er von der sowjetischen Militärbehörde in ganz Deutschland verboten, in den 70er Jahren wurde der Film von der Murnau-Stiftung restauriert, in den 80ern ein weiteres Mal vom staatlichen Filmarchiv der DDR.

In diesem Jahr wurde von dem UFA-Label teamWorx der Fernsehfilm Baron Münchhausen gedreht, hierbei handelt es sich nicht um eine Neuverfilmung, sondern um eine eigenständige Geschichte, das Drehbuch stammt von Marc O. Seng, Regie führt Andreas Linke. In den Hauptrollen spielen Jan Josef Liefers als Münchhausen, Jessica Schwarz als Constanze von Hellberg und die Zwillinge Helen und Isabelle Ottmann teilen sich die Rolle der Frieda. Ausgestrahlt wird der neue zweiteilige Baron Münchhausen am 25. und 26. Dezember 2012 jeweils um 17.45 in der ARD.







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