1927 wird die UFA vom Konzern des rechtskonservativen Verlegers Alfred Hugenberg aufgekauft. Nach der Übernahme durch Hugenberg, einem Medienmogul, der große Teile der deutschen Presse kontrolliert und schon bald maßgeblich zur nationalsozialistischen und antisemitischen Propaganda beitragen wird, ändert sich zunächst nichts an der Produktionspolitik der UFA. Doch schon bald sollte die UFA einem dramatisch anderen Zweck dienen.

Nur drei Tage nachdem am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten ihre „Machtübernahme“ mit einem nächtlichen Fackelzug durch das Brandenburger Tor in Berlin demonstrierten, präsentierte die UFA den neuen Herrschern mit Morgenrot ein Paradebeispiel für den nationalen Film, den das Unternehmen seit der Übernahme durch Hugenberg zu realisieren versuchte. Mit nicht enden wollenden Heil-Rufen begrüßten die geladenen Premierengäste im UFA-Palast am Zoo den neuen Reichskanzler. Der habe, wie es UFA-Produktionschef Ernst Hugo Correll in einem vertraulichen Brief vom 18. Februar 1933 an Generaldirektor Ludwig Klitzsch formulierte, „von je dem Film ein großes Interesse entgegengebracht, denn er habe die Propagandamöglichkeiten erkannt, die von dem Film ausgegangen sind und er wisse, wie man in Russland durch den Film das Volk beeinflusst habe“.

Am 28. März lud Joseph Goebbels, seit dem 14. März Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, die wichtigsten Vertreter der Filmindustrie in den Bankettsaal des Berliner Hotels Kaiserhof ein, wo er in seiner Rede betonte, dass die Kunst sittlich und politisch-weltanschaulich an Normen gebunden sei, ohne die ein nationales Zusammenleben unmöglich sei. Falls die Normen verletzt würden, müsse der Staat regulierend eingreifen. Damit war klargestellt, nach wem sich die UFA-Verantwortlichen künftig zu richten hatten.

Schon einen Tag später, am 29. März 1933, beschloss der UFA-Vorstand die Entlassung jüdischer Mitarbeiter und leitete damit den Exodus deutscher Filmkünstler ins Ausland ein. Schauspielerinnen und Schauspieler wie Elisabeth Bergner, Conrad Veidt, Fritz Kortner oder Peter Lorre, Regisseure wie Fritz Lang, Hanns Schwarz, Wilhelm Thiele oder Eric Charell und auch Produzent Erich Pommer hatten Deutschland schon verlassen oder taten dies in den folgenden Wochen. Namen jüdischer Mitarbeiter tilgte man aus den Stablisten, und einige Jahre später wurden Filme jüdischer Regisseure oder bekannter Schauspieler ganz verboten, darunter zum Beispiel Der Kongreß tanzt.

Die Vertreibung aller „nichtarischen“ Künstler und Mitarbeiter war ein nicht wieder auszugleichender Verlust. Der deutsche Film erreichte in den nächsten Jahrzehnten nie wieder die künstlerische Qualität wie zur Zeit der Weimarer Republik. Für viele der Betroffenen bedeutete es aber vor allem Bedrohung der eigenen Existenz. Sie standen plötzlich vor dem Nichts, denn nur wenigen Filmleuten gelang ein Neuanfang in Hollywood oder anderen ausländischen Filmstädten, ein Teil musste in Deutschland bleiben. Zunächst entfernt aus der Berufswelt und dem gewohnten sozialen Umfeld, ausgeschlossen aus dem gesellschaftlichen Leben, folgten in den Vierzigerjahren Deportation und Vernichtung.

Bild: Hitlerjunge Quex (1933), Regie Hans Steinhoff, Deutsche Kinemathek


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