Herr Schmidt-Schaller, können Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag erinnern?

Andreas Schmidt-Schaller: Oh Gott, da fragen Sie mich was! Wenn ich mich nicht ganz täusche, spielte der erste Drehtag im Krankenhaus. Ich kann mich aber noch gut erinnern, dass mir Marco Girnth lachend gegenüberstand und feststellte, dass wir beide die gleichen Jacken tragen. Selbst die Farbe war identisch. Das war natürlich zunächst eine mittlere Katastrophe, die aber kurzerhand von unserer hervorragenden Kostümfrau gelöst wurde.

Und Sie beide, Frau Marschke, Herr Girnth?

Marco Girnth: Absolut. Mein erster Drehtag war in einem Krankenhaus. Alle waren unheimlich nervös. Die Produzenten, Redakteure und die Herstellungsleitung waren vor Ort, um sich den Drehstart anzusehen, was nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen hat. Melanie Marschke: Ich erinnere mich, dass wir in einem abgebrannten Haus drehten. Ich hatte eine helle Hose und einen hellen Mantel an. Bei der Spurensuche passierte dann das Malheur. Die Farbe der drapierten Trümmer war noch nicht getrocknet und somit hatte ich die komplette grüne Ölfarbe am Kostüm. Leider hatten wir kein Ersatzkostüm und deshalb musste die Szene mit neuer Hose und Mantel fortgesetzt werden. Außerdem kann ich mich daran erinnern, dass wir im Mai drehten und es für die Jahreszeit untypisch heiß war. Es war sogar so heiß, dass der Asphalt auf dem Marktplatz ganz weich war. Und auf diesem Parkplatz saß schlafend Schauspieler Michael Lott mit seiner Kostümbombe um den Bauch gewickelt, ganz selig und tief in sich ruhend. Ein herrlicher Anblick!

Herr Sprungala, Sie sind 2008 direkt von der Schauspielschule zur "SOKO Leipzig" gekommen. Was für ein Gefühl war das?

Pablo Sprungala: Es war ein sehr gutes. Viele meiner Kommilitonen sind ans Theater gegangen. Mir war schon lange klar, dass ich unbedingt vor die Kamera möchte. Umso glücklicher bin ich, dass ich bei der "SOKO Leipzig" spielen darf. Insgeheim war es ein lang gehegter Traum von mir, in einer Krimiserie einen Kommissar zu verkörpern.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag erinnern?


Pablo Sprungala: Sehr gut, denn Marco Girnth hatte mir fast einen Zahn ausgeschlagen. Das vergisst man nicht. Eine Rangelei zwischen Kommissaranwärter Vincent und Jan Maybach sollte gedreht werden. Es ging auch gleich zur Sache und wenige Sekunden später hatte ich Marcos Ellenbogen an meinem Kiefer. Das tat tierisch weh, nach meiner letzten Szeneneinstellung musste ich sofort zum Notdienst. Meine Feuertaufe hatte ich somit bestanden.

Wie kann man sich als Neuer in einem bestehenden Team behaupten? Schließlich kennen sich Ihre Kollegen schon seit Jahren.

Pablo Sprungala:
Andreas Schmidt-Schaller, Marco Girnth und Melanie Marschke sind wirklich super. Sie haben mich von Anfang an unterstützt und mir eine große Sicherheit gegeben. Auch das Produktionsteam war klasse. Ich hatte nie das Gefühl, nicht dazu zugehören.

Und wie sind Sie zu "SOKO Leipzig" gekommen, Herr Schmidt-Schaller? Es hieß immer, dass Sie nach Ihrer Rolle als Leutnant Grave im damaligen "Polizeiruf 110" keinen Kommissar mehr spielen wollten…

Andreas Schmidt-Schaller:
Das stimmt, aber wie der Zufall so spielt, lief ich bei einem Agenturtreffen dem ZDF-Serienchef Klaus Bassiner über den Weg. Während unseres Gespräches fragte er mich dann, ob ich trotzdem noch einmal Lust hätte, einen Kommissar zu spielen. Kurz danach war ich Hauptkommissar der SOKO Leipzig. Genauso ist das entstanden, und bei der Biographie von Hajo Trautzschke konnte ich gar nicht "Nein" sagen. Ich wäre verrückt gewesen, dieses Angebot auszuschlagen.

Marco Girnth: Ich bin erst zu dem Ensemble-Casting dazu gestoßen, bei dem noch die Kollegin Zimmermann gesucht wurde. Ich kannte Melanie schon vor dem Casting. Wir hatten ein Jahr zuvor bei der "Strandclique" zusammen gedreht. Da hat sie allerdings eine Frisöse aus Bottrop gespielt und eine rosa Perücke getragen. Deshalb habe ich sie beim Casting nicht gleich erkannt. Glücklicherweise ist sie am Ende die Kommissarin geworden. Die beste Ina Zimmermann der ganzen Welt.

Melanie Marschke: Die Frauenrolle war damals die letzte, die besetzt werden sollte. Ich hatte schon einige Set-Erfahrungen neben meinen Theaterengagements, doch eine feste Rolle als TV-Kommissarin fand ich sehr reizvoll. Ich wäre sehr traurig gewesen, wenn es nicht ge-klappt hätte, da die Chemie zwischen uns schon beim Casting stimmte. Ich kann mich noch ganz genau an die Zusage erinnern. Irgendwann klingelte das Telefon, und unser heutiger Produzent Jörg Winger teilte mir mit einer sehr tragischen Stimme mit, dass sich die Produktion für mich entschieden hat. Ich musste drei Mal nachfragen, bis ich begriff, dass ich Kommissarin bei der "SOKO Leipzig" sein sollte. Die Freude war dann natürlich groß.


Was für ein Typ ist Hajo Trautzschke? Hat er eine Entwicklung in den letzten 10 Jahren durchlebt?

Andreas Schmidt-Schaller:
Hajo Trautzschke ist ein bodenständiger und geduldiger Typ, deshalb wird er von manch einem unterschätzt. Doch ihm entgeht nichts. Eine Veränderung in dem Sinne gab es in den 10 Jahren nicht. Er ist der Alte geblieben, fährt jedoch nicht immer die gleiche Masche. Bei ihm muss auch nicht alles ausgesprochen sein. Dass man diesen Gefühlszustand zwischen den Zeilen spielen kann, machte für mich den Reiz dieser Figur aus. Optisch hat sich Trautzschke mit den Jahren auch nicht wirklich verändert. Vielleicht sprießt das ein oder andere graue Haar mehr. Doch er trägt weiterhin Jeans, Hemd und Sakko. Nur bei besonderen Anlässen wirft er sich mittlerweile mal in Schale.

Und wie sieht es bei Jan Maybach aus, Herr Girnth?

Marco Girnth:
Jan ist in den ersten fünf Jahren deutlich diplomatischer gewesen. Er hat eigentlich immer versucht, zwischen den Extremen zu vermitteln und auszugleichen. Durch Miguels Tod hat sich Jans Sicht auf die Dinge verändert. Es gibt für ihn jetzt weniger Grauzonen und viel mehr Schwarz und Weiß. Dadurch macht er zwar häufiger Fehler als früher, aber mir gefällt er jetzt besser...

Ina Zimmermann hingegen hat eine auffällige Entwicklung durchgemacht. Schließlich haben Sie, Frau Marschke, ein Kind bekommen und somit auch Ihre Figur Ina Zimmermann.

Melanie Marschke:
Durch die Schwangerschaft ist Ina tatsächlich viel stärker und klarer geworden, aber auch selbstbewusster. Sie hat an Ausstrahlung dazu gewonnen. Daraus konnten die Autoren neue interessante Geschichten entwickeln. Zu Beginn der Serie war Ina ja eher eine klassische Polizistin. Sie stand hinter den Männern. Aber mit den Jahren ist sie zu einer starken Frau gereift.

Deckt sich das auch mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

Melanie Marschke:
In der schauspielerischen Entwicklung wird man mit den Jahren stärker und davon profitieren natürlich auch die Figuren, die man spielt. 10 Jahre ist eine lange Zeit, und besonders die Jahre zwischen 30 und 40 sind meiner Meinung nach für eine Frau sehr spannend. Man findet mehr zu sich und kann sich dadurch klarer positionieren. Ich glaube, dass man das ausstrahlt und in seine Rolle einfließen lässt.

Pablo Sprungala: Auch Vincent hat sich in seiner erst zweijährigen Amtszeit charakterlich geändert. In den ersten Folgen ist er noch sehr verspielt. Vince handelt, bevor er denkt und geht gerne mal den unkonventionellen Weg. Mittlerweile ist er reifer geworden, geht strategischer vor. Vincent kann jetzt sehr gut zwischen seiner eigenwilligen Art und dem Profidasein switchen.

Worin haben sich aus Ihrer Sicht die Geschichten geändert?

Melanie Marschke:
Ohne das Prinzip aufzugeben, pro Folge einen abgeschlossenen Krimiplot zu erzählen, haben die persönlichen Geschichten der Kommissare mehr Raum erhalten. Es wird noch tiefer und kontinuierlicher auf die private Entwicklung der Protagonisten eingegangen. Ich mag das sehr, denn das nimmt den Figuren ihre Anonymität, gibt ihnen mehr Persönlichkeit. Rote Fäden ziehen sich innerhalb der Entwicklung der Figuren teilweise von Folge zu Folge.

Marco Girnth: Wir können experimentierfreudiger werden. Wir haben immer wieder Folgen, die auch heikle politische oder gesellschaftliche Themen betreffen. Und seit Moskau waren wir noch vier Mal im Ausland, wobei die SOKO deutlich filmischer geworden ist als in den ersten Jahren.

Wie versteht man sich nach all den Jahren untereinander?

Andreas Schmidt-Schaller:
Die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Als der Älteste im Team bin ich damals auf junge Kollegen gestoßen, die wirklich Qualität liefern und nicht nur ihr Gesicht hinhalten wollten. Mittlerweile läuft das wie in einem eingespielten Fußballteam, da schließe ich alle mit ein, vom Beleuchter bis zum Tonmann.

Melanie Marschke:
Das stimmt, wir sind gewachsen, haben viel gemeinsam erlebt und haben alle eine sehr ähnliche Berufsauffassung Wir lieben unseren Beruf und sind mit einer großen Portion Humor gesegnet. Wir sind ein "starkes Team". Was gibt es Besseres als in einem Team zu spielen, in dem man sich gegenseitig immer wieder aufs Neue künstlerisch befruchten kann? Dafür bin ich sehr dankbar, denn sonst könnte man den Druck, die Hektik, die auch manchmal bei uns am Set herrscht, gar nicht aushalten. Man braucht Menschen um sich herum, mit denen man Spaß hat und mit denen man auf Augenhöhe steht.

Marco Girnth:
Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass die "SOKO Leipzig" nach all den Jahren immer noch so viel Spaß macht. Wir verstehen uns tatsächlich immer noch hervorragend. Es ist ein bisschen so wie in einer großen Familie. Es gibt immer auch mal Streit, aber prägend ist der grundsätzliche Respekt vor allen anderen und das Gefühl, bei der "SOKO Leipzig" auch zu Hause zu sein.

Welche Szene hat sich bei Ihnen besonders eingeprägt und stößt man bei den Geschichten auch mal an seine psychischen Grenzen?

Andreas Schmidt-Schaller:
Die Folge, in der das Thema Sterbehilfe behandelt wurde. Die hat mich persönlich sehr berührt. Hajo Trautzschke musste klären, ob eine Krankenschwester Sterbehilfe geleistet hat oder nicht. In seiner Fantasie sieht er dann immer wieder seine tote Frau. Der Zuschauer erfährt, dass auch Hajo seiner Frau etwas gegen die Schmerzen gegeben hatte. Als wir das gedreht haben, kam zur gleichen Zeit ein ähnlicher Fall in der Charité auf. Dadurch hat man sich natürlich noch viel intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich habe mich dann irgendwann auch selber gefragt, was macht man, wenn eine, dir nahestehende Person dich um diesen Gefallen bittet? Diese Frage hat mich noch weit nach Drehschluss beschäftigt.

Marco Girnth: Lange nachgewirkt hat die Ausstiegsfolge von Miguel (Gabriel Merz). Ich habe selten erlebt, dass am Set ein ganzes Team so deutlich mitleidet und Anteil nimmt, an dem was vor der Kamera gespielt wird. Miguels Tod hat alle Teammitglieder emotional erwischt und so manches Tränchen rollen lassen.

Melanie Marschke: Für mich ist es immer sehr bewegend, wenn Kinder im Spiel sind. Wir hatten einen Fall, in dem zwei Schülerinnen im Mittelpunkt der Geschichte standen. Eine der beiden, gespielt von Jennifer Ulrich, hatte ihr Neugeborenes getötet und aus Angst vergraben, da sie auf einem katholischen Internat aufwuchs. Diese Geschichte hat mich sehr berührt, aber auch die Folge "Tödlicher Nahschuss". In diesem Fall tauchen plötzlich historische Fakten auf, die man so noch gar nicht kannte. Die Folge beginnt in einer ehemaligen Hinrichtungsstätte der DDR. Eine junge Frau wird dort tot aufgefunden. Getötet wurde sie durch einen Nahschuss, was früher in der DDR als Hinrichtungsmethode verwendet wurde. Das hat mich umgehauen...

Wenn Sie gerade den Fall "Nahschuss" ansprechen, spürt man die Wiedervereinigung auch in den "SOKO Leipzig"-Folgen?

Melanie Marschke:
Wir greifen öfter auf die deutsch-deutsche Vergangenheit zurück. Es sind unfassbare Geschichten dabei. Besondere Fälle, die man in anderen Krimiformaten so nicht behandelt sieht. Es müssen ja nicht immer Stasi-Geschichten sein. Bei dem Fall "Tödlicher Nahschuss" zum Beispiel konnte man wirklich etwas erfahren, was bislang noch nicht aufgegriffen worden war. Das sind dann Momente, in denen ich es schade finde, dass wir in der Regel nur ein 45 Minuten-Format haben.

Marco Girnth: Jan Maybach kommt aus Köln und ermittelt in Leipzig. Man spürt also die Wiedervereinigung nicht nur, sondern lebt sie in jeder Folge. Natürlich behandeln wir auch immer wieder Fälle, deren besonderer Reiz sich aus dem Spannungsfeld der Wiedervereinigung ergibt.

Andreas Schmidt-Schaller: Mittlerweile hat sich Leipzig zu einer europäischen Großstadt entwickelt. Sicher behandeln wir in unseren Fällen weiterhin Stoffe, die sich mit der DDR-Vergangenheit befassen: Stasi-Verwicklungen, Russenmafia oder Fälle, die nach Osteuropa führen. Doch wir zeigen auch eine breite Großstadt-Kriminalität ohne Sachsen-Klischees. Pure Ostalgie würde auch nicht zum heutigen Leipzig passen. Wir sind ja selber ein Team aus Ost und West. Marco kommt aus Düsseldorf, Melanie aus Lübeck und Pablo aus Aachen. Das Produktionsteam setzt sich ebenfalls aus Ost- und Westdeutschen zusammen. Eine bunte Gruppe.

Was war in den 10 Jahren Ihr persönliches Highlight?

Melanie Marschke:
Für mich war es der 90-Minüter "Istanbul Connection". Das Besondere an den Auslandsproduktionen ist die Möglichkeit, einer Geschichte und einer Figur mehr Raum zu geben, und diese dann auch ausführlicher erzählen zu können. Als Zuschauer kann man von Ina Zimmermann in 90 Minuten viel mehr erfahren als in einer einzelnen Folge. Außerdem ist es für einen Schauspieler immer ganz besonders spannend, in einer fremden Kultur und mit anderen Produktionsfirmen zusammenzuarbeiten. Die Auslandsdrehs der "SOKO Leipzig" sind jedes Mal sehr abenteuerlich und anstrengend, machen aber einfach unheimlich viel Spaß.

Marco Girnth: Trotz aller Anstrengung war der Dreh in Santo Domingo mein persönliches Highlight. Wie bei allen unseren Auslandseinsätzen waren die Dreharbeiten sehr kraftraubend. Aber es war ein positiver Stress, weil alle für das Produkt brannten und mächtig Gas gegeben haben.

Andreas Schmidt-Schaller: Definitiv unsere Koproduktion mit der englischen Erfolgsserie "The Bill". Die Drehsprache war auf Englisch. Das war natürlich ein riesiges Problem für mich, da ich des Englischen nicht mächtig bin. In der Schule hatte ich nur Französisch, Latein und Russisch. So musste ich in vier Wochen Englisch lernen. Zum Glück bin ich ein älterer Kommissar, der darf dann auch ein schlechtes Englisch sprechen.

Pablo Sprungala: "Terminal A" war für mich ein besonderer Dreh, mein erster 90-Minüter. Das war schon ein tolles Gefühl, auch weil ich sehr viele Freiheiten hatte. Und die Folgen "Geisterhaus" und "Girls Girls Girls" sind meine persönlichen Highlights. Mir macht es besonders großen Spaß, wenn tolle Kollegen mitwirken, mit denen auch ein gutes Zusammenspiel stattfindet oder wenn außergewöhnliche Szenen gewünscht sind. Viel Freude bereitet mir auch, wenn ich als Vincent verdeckt ermitteln muss und somit in andere Rollen schlüpfen und mit Dialekten arbeiten kann.

Worin hebt sich die "SOKO Leipzig" von anderen SOKOS ab, verraten Sie uns das Geheimnis?

Marco Girnth:
Der Vergleich hinkt. Die "SOKO Leipzig" ist die einzige SOKO, die um 21.15 Uhr läuft. Dadurch haben wir andere Freiheiten und andere Pflichten, was die Geschichten und die Erzählweise anbelangt.

Andreas Schmidt-Schaller: Das kann ich Ihnen gar nicht sagen. Die Chemie zwischen uns stimmt und wir sind ein engagiertes, vertrautes Team. Vielleicht ist es das, was der Zuschauer spürt. Es ist auch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen sind, die sich mir gegenüber als "SOKO Leipzig"-Fans zu erkennen geben. Da gibt es sowohl die Busladung aus dem Ruhrpott, die uns in höchsten Tönen für unsere Bodenständigkeit gelobt hat als auch junge Leute auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Ich empfinde es als Kompliment für unsere Arbeit, wenn man ganz verschiedene Menschen aller Altersgruppen erreicht.

Melanie Marschke: Ich will uns jetzt gar nicht so hervorheben, denn jede Serie hat ihre Kleinigkeiten, die sie so besonders macht. Ich empfinde uns als sehr besonders, weil das Ensemble vieles trägt und wir mit tollen Regisseuren und Kameraleuten arbeiten. Es sind einfach alles sehr engagierte Leute, die die Geschichten gut erzählen wollen. Und genau das spürt man, das macht es dann auch aus.
Pablo Sprungala: Der Hauptunterschied liegt in den vier Protagonisten. Das passt einfach alles. Mit mir seit drei Jahren passt es natürlich noch ein bisschen besser ... (schmunzelt).

Welche Geschichten können nach all den Jahren noch erzählt werden? Was wünschen Sie sich persönlich?

Schmidt- Schaller:
Da wir von Anfang an großen Wert auf Qualität gelegt haben und durchgehend aktuelle Geschichten erzählen, sollte es auch genau so weitergehen, denn interessante Geschichten gibt es genügend. Persönlich fände ich es mal wieder spannend, wenn Kommissar Trautzschke einer seiner früheren Geliebten begegnet. Oder vielleicht taucht auch plötzlich ein Kind in Hajos Leben auf.

Marco Girnth: Wir werden alle zusammen mit der SOKO älter und reifer. Das Leben verändert sich und das wird auch bei den SOKO-Kommissaren zu Veränderungen, Spannungen und Konflikten führen. Ich wünsche mir, dass sich die Kriminalgeschichten eng mit dem persönlichen Leben der Kommissare verzahnen, so dass man auch erfährt, wie sich das Erlebte für den Ermittler privat auswirkt.
Melanie Marschke: Wir haben in den 10 Jahren so vieles aufgegriffen und waren sicherlich auch das ein oder andere Mal unserer Zeit voraus, dass mir jetzt auf Anhieb nichts einfällt. Ich wünsche mir einfach, dass wir immer spannende Fälle zeigen. Und persönlich wünsche ich mir, dass unsere Figuren ihre klaren Profile beibehalten und sie ihre Eigenschaften bewahren.

Gab es denn auch peinliche Momente beim Dreh?


Marco Girnth: Bestimmt. Aber ich glaube, die hab ich verdrängt...

Andreas Schmidt-Schaller: Die gab es, insbesondere als ich eine Szene mit meiner Tochter Petra, die ebenfalls Schauspielerin ist, umsetzen musste. Wir standen uns gegenüber und ich wollte gerade mit meiner Vernehmung anfangen, als mir der Gedanke kam: "Die hast du doch gerade erst noch zum Kindergarten gebracht." Darauf folgte dann auch schon der Texthänger. Ich brauchte einige Minuten, um mich wieder auf meine Rolle als Hajo Trautzschke zu konzentrieren und nicht als Vater zu agieren.

Melanie Marschke: (lachend) Beim Drehen ist mir relativ wenig peinlich. Es passieren immer wieder Kleinigkeiten, wie etwa, dass der Sender für den Ton aus der Hose fällt oder man ausrutscht. Das ist dann allerdings eher witzig als peinlich. In Scham versinken musste ich bisher noch nie, aber wenn ich das jetzt so sage...wer weiß, was gleich beim Drehen passiert?

Pablo Sprungala: Wenn man 6 Takes für einen Satz braucht, das ist wirklich unangenehm. Ich hatte irgendwann mal einen wahnsinnig komplizierten Satz, den ich einfach nicht fehlerfrei aussprechen konnte.

Haben Sie je damit gerechnet, dass die "SOKO Leipzig" 10 Jahre auf Sendung sein wird?

Marco Girnth:
Am Anfang waren wir natürlich alle vorsichtig. Kein Mensch wußte, ob die Zuschauer neben "SOKO 5113" aus München eine weitere SOKO annehmen würden. Spätestens nach der zweiten Staffel hatte ich aber ein gutes Gefühl, dass die "SOKO Leipzig" noch einige Jahre vor sich hat. Und das Gefühl hab ich jetzt immer noch!

Melanie Marschke: Zwei, drei Jahre erschienen uns sehr lang. Aber irgendwann rechnet man nicht mehr und plötzlich waren es acht, neun und nun 10 Jahre. Wow! Das gibt es einfach nicht! Irgendwas machen wir wohl richtig …

Andreas Schmidt-Schaller (lachend): Ist tatsächlich schon so viel Zeit vergangen?!

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  • Special: 10 Jahre SOKO Leipzig
  • Interview mit Produzent Jörg Winger



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